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kommen nur noch zwei aus dem Hause Nassau vor, Adriana und Catharina Belgica; von Ersterer ist ein besonderer Grabstein da, und Letztere liegt in Holland begraben. Die Jahrszahl, von Mer⸗z nur der Bequemlichkeit wegen mit arabischen Ziffern geschrieben, ist unrichtig und muss 1459 heissen. Dies Todesjahr gibt ausser v. Behr auch Wegener an, und dass die Gräfin 1458 noch lebte, beweisst der damals von ihr mit genehmigte Familienvertrag. Nach einer gütigen Mittheilung des Herrn Dr. v. Behr ist die Grabschrift zu ergänzen quinta feria post Egydii(Aegidius der 1. Sept.); im J. 1459 fiel der 6. September auf den Donnerstag.
Der Grabstein muss sich unter dem 1847 angelegten Kirchenstuhl befinden, der nah dem Altar quer durch den Chor geht; s. unten Catharina, Reinhards IV. Gemahlin.
Reinhard III.
Sohn Reinhards II., gb. 22. April 1412, vermählt 1446 mit Pfalzgräfin Margaretha, succed. 26. Juni 1451, st. in Heidelberg am 20. April 1452.
Die Vermuthung liegt nah, dass er in Heidelberg begraben wurde; unsere Kirche enthält aber einen räthselhaften Grabstein, den ich nur auf ihn beziehen kann, weil er nicht anders unterzubringen ist. Er liegt an der nördlichen Wand des Chors dicht neben dem Stein der unten vorkommenden Gräfin Adriana, ist beinah 2 ½ Meter lang und etwa 80 ctm. breit. Es steht nichts weiter darauf als das einfache Hanauer Wappen mit drei Sparren und darüber der Helm mit Schwan von Bronze; Schrift fehlt gänzlich, und es ist auch keine Spur, dass jemals welche da stand, denn alles ist gut erhalten. Jonas Merz, der den Stein schon an demselben Platze sah, vermuthete, es sei Adrianens Gemahl, was offenbar irrig, da ihr Gemahl Philipp einen besonderen Grabstein an anderer Stelle hat. Sicher ist, dass der Stein vor 1500 zu setzen ist, weil sonst das Münzenberger Wappen nicht fehlen würde; vor 1451 kann er nicht gehören, weil Reinhard II nach alter Ueberlieferung zuerst in der Kirche begraben wurde; auch weist die Form des Schildes darauf hin, der rechts(heraldisch) eingebogen und unten rund ist, während die früheren Schilde auf den Siegeln ohne Einbiegung spitz zugehen. Aus der Zeit von 1451 bis 1500 ist aber kein mänplicher Sprosse des Grafenhauses zu finden, der hierher zu ziehen wäre, ausser Reinhard III. Unter den weiblichen Angehörigen ist keine, die hierher passt. Sie starben in früher Jugend oder auswärts, theils als Nonnen, theils verheirathet; an ein Kind ist aber bei der Grösse des Steins nicht zu denken, an eine verheirathete Frau nicht, weil sonst zwei Wappen angebracht wären. Den sichersten Anhalt gibt dazu noch die Vergleichung mit dem Grabstein Reinhards II: Die beiden Steine haben ungefähr gleiche Form und Grösse, und Wappen und Helm sind anf beiden ganz überein. Der Mangel aller Umschrift ist kaum anders zu erklären, als dass ein Steinmetz die Buchstaben noch einhauen sollte, was dann aus irgend welchen Gründen unterblieb; dieselbe Wahrnehmung wird uns auch beim Sarge Philipp Ludwigs II und beim Monument seines Vaters begegnen.
Margaretha
Gemahlin Reinhards III, Tochter v. Pfalzgr. Otto zu Mosbach und Johanna von Baiern-Landshut, gb. 1430, verm. 11. Juli 1446, st. nach der Grabschrift 14. Sept. 1457.
Das Geburtsjahr 1430(bei v. Behr 1431) entnehme ich aus der Angabe der Genealogie bei Herrn Jobst:„Reinhard verheurath sich an Margretha Pfaltzgraf Otto Tochter 1436, doch ehender nicht Beylager zu halten, biss Sie 16 Jahr alt würde und solches ist geschehen zu Hanau 1446.“
Der Grabstein, südlich neben dem Reinhards II, enthält in der Mitte das quadrirte Wappen mit dem Pfälzer Löwen und den bairischen Wecken unter dem Pfälzer Helm, von Bronze gegossen,


