Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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Reinhard II.*)

Sohn Ulrichs IV., geboren um 1370, regierte mit seinem Bruder Johann statt Ulrichs V. 1404 1411,

dann allein bis 1419, von da an in eignem Namen, vermählt 1407 mit Katharina von Nassau, befreite 1419 Hanau von Mainz, Reichsgraf 1429, starb 26. Juni 1451.

Ler Grabstein, über 2 ½ Meter lang und 76 Centimeter breit, der längste und schmalste von allen, liegt in der Mitte des Chors unter der Orgel, da wo der Fussboden etwas erhöht ist. Er zeigt das Hanauer Wappen in Bronze gegossen, nämlich einen nur wenig gelehnten Schild, worin drei Sparren, unter dem Helm, dessen Kleinod ein Schwan mit entfalteten Flügeln. Das ganze Wappen sammt den Helmdecken ist wohl erhalten. Die Umschrift, an der Kopfseite beginnend, fasst den Stein an den vier Seiten ein; sie ist nur eingehauen, schon wegen der schwer zu unterscheiden- den gothischen Buchstaben mühsam zu entziffern und ausserdem noch viel weggetreten. Kein Wun- der daher, wenn Jonas Merz dieselbe nicht richtig las. Seine Angabe ist nicht nur unvollständig, sondern auch in Betreff des Datums(in die Johannis Evang.= 27. Dec.) irrig. Folgendes ist das, was sich noch erkennen lässt:

anno dni mecceli i. die iohanis et pauli obiit generof dus. reinhardus] comes i hanawe fundi pater.... hie ſepult pia.. aia r.. ie. cat ĩ pace

Das kurze Wort vor hic ist nicht menr festzustellen, vielleicht rite; der Schluss macht keine Schwierigkeit: sepultus, pia sua(cuius?) anima requiescat in pace. Der Tag Johann und Paul ist der 26. Juni, und diesen gibt von Behr, die Genealogie der Stadtbibliothek und die bei Herrn Jobst ebenfalls an. Der Ausdruck fundi pater(Stifter) erklärt sich aus dem, was Wegener sagt:Graf Reinhard II. verordnete 1434, dass die Marien Magdalenen Kirche künftig die Hauptkirche seyn sollte. Dieserwegen wurden noch mehrere Altaristen bestellt und dadurch der Grund zur nachfolgenden Dechaney gelegt. Er vergrösserte auch das Chorhaus, wie Calaminus p. 37 angibt:Im Jahre 1449 liess Graf Reinhard das sehr kleine Chor mit etwa 12 Fuss verlängern, um dadurch einen würdigen Raum zu einem Erbbegräbnisse zu gewinnen. Seine Leiche war die erste, welche im Jahre 1451 dort beigesetzt wurde. Im Jahre 1453 wurde dieser Anbau vollendet und eingeweiht. Eine zugemauerte Thür am Schiff der Kirche nach Süden bin trägt noch jetzt die Jahrszahl 1449.

- Catharina Gemahlin Reinhards II., Tochter von Heinrich II. Grafen von Nassau-Beilstein und Catharina von Randerode, vermählt im Januar 1407, st. nach v. Behr 6 Sept. 1459. Jonas Merz sah einen jetzt nicht sichtbaren Stein mit eingehauener Umschrift, die er nur zum Theil lesen konnte, weil eine Säule darauf stand, welche die Orgel stützte. Er gibt im Manusecript die Grabschrift folgendermassen an: Anno Domini 145 2 quinta feria post obiit nobilis Dna de Nasſauwe Comitisſa in Hanaave, hie ſepulta cujus anima requiescat in pace. Dass dies der Grabstein der genannten Gräfin Catharina ist, leidet keinen Zweifel; ausser ihr

*) Dommerich und Dr. G. Schenk zu Schweinsberg(Mitth. des Hanauer Vereins Nr. 5) nennen ihn Rein- hard III. Bei der Dunkelheit, die in der Hanauer Genealogie noch herrscht, hielt ich es für das Beste von der durch Wegener eingeführten Ordnung noch nicht abzugehen. Man könnte diesen Reinhard I. nennen, weil er der erste Graf war, nach der Regel. die wir auch sonst befolgt sehen: Franz I Kaiser von Oesterreich, Friedrich I König in Preussen, Ludwig I. Grossherzog von Hessen, Wilhelm I. Kurfürst von Hessen.