Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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I. Die Grabsteine und Monumente in der reformirten Kirche.

Die älteste bekannte Begräbnissstätte der Herrn von Hanau war das jetzt dem Grafen von Solms-Laubach gehörende Kloster Arnsburg bei Lich. Die Herrn von Hanau waren nicht Stifter des Klosters, das auch nicht in ihrem Gebiete lag, hatten aber dort Ehrenrechte, die sich von der Münzenberger Erbschaft herschrieben; das Wenige, was sich darüber findet, ist von Dommerich in den Mittheilungen des Hanauer Geschichtsvereins Nr. 1 p. 65 zusammengestellt. Ob sich in der dortigen Kirche, die jetzt eine Ruine ist, Grabsteine befinden, die sich noch als Hanauer erkennen lassen, ist mir nicht bekannt; hinlänglichen Beweis aber gibt das bei Gudenus III. 211 abgedruckte Testament Ulrichs II. v. J. 1323, worin es heisst: monasterio nostro in Arnsburg, in quo fundationis dignitate fruentes eligimus cum ceteris progenitoribus nostris sepulturam. Danach können wir unbe- denklich annehmen, dass Reinhard 1280, der Gemahl Adelheids von Münzenberg, sein Sohn Ulrich I. 1306 und dessen Sohn Ulrich II. 1346 in Arnsburg begraben sind. Von Ulrich III. 1370 und seinem Sohn Ulrich IV. 1380 lässt es sich auch vermuthen. Weniger sicher ist es bei dem geistesschwachen Ulrich V. und seinem Bruder Johann; jener starb 1419 nach gewöhnlicher Annahme in Schafheim, dieser 1411 in Frankfurt.

Jonas Merz vermuthete, einige herrschaftliche Personen lägen in Windecken bestattet, wo eine Zeit lang, nach herrschender Angabe bis 1436, die Residenz war; nach zuverlässiger Mittheilung ist aber in der dortigen Stadtkirche nichts von alten Grabsteinen zu sehen, und von der Kirche auf dem Todtenhof zu Windecken ist ausser Mauerresten gar nichts erhalten.

In Hanau selbst beginnt die Reihe mit Reinhard, der zuerst den Grafentitel führte und die jetzige reformirte Kirche zur Hauptkirche erhob, während sie vorher der im Kinzdorf untergeordnet war. Dieses Dorf lag südlich von Hanau nah dem Main und bestand bis 1564, wo es durch Ueberschwemmung unterging; eine Strecke vor dem Steinheimer Thore, wo jetzt Gärten und Felder sind, heisst noch das Kinzdorf; die dortige Kirche wurde erst 1632 abgebrochen, und der Todtenhof dabei blieb in Benutzung bis 1633. Dass in dieser Kirche einzelne hohe Personen begraben wurden, wäre leicht möglich, ist aber durch nichts zu beweisen, da jede Spur davon vertilgt und keine Nachricht erhalten ist. Von 1451 an war die neue Hauptkirche, das Marien-Magdalenen-Stift, auch die grosse Kirche und seit 1818, wo die Union zu Stande kam, Marienkurche genannt, die bleibende Begräbniss-Stätte der Münzenberger Linie bis zu ihrem Erlöschen; die darauf folgende Lichtenberger Linie wählte statt dessen die von ihr gegründete lutherische Kirche.