Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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Grabstätten nur kurz; Calaminus beabsichtigte dieselben noch besonders zu behandeln, welcher Vorsatz aber nicht zur Ausführung kam.

Zu dem, was gedruckt vorlag, boten Manuscripte noch sehr willkommene Ergänzung und Aufklä- rung. Die Original-Aufzeichnung der Inschriften auf den Grabsteinen und Särgen in der reformirten Kirche von der Hand des Pfarrers Jonas Merz, der sie im J. 1765 auf Befehl des Consistoriums schrieb und danach 15 Jahre später den Aufsatz imHanauischen Magazin verfasste, ist zum Glück noch erhal- ten, Wilhelm Ziegler, der verdiente Hanauer Chronist, hatte sie von seinem Schwiegervater, dem Metropolitan Isaak Merz, geerbt und nicht untergehn lassen; von ihm kam sie an den Hanauer Geschichtsverein, dem ausser Ziegler's Chronik auch seine ganze Bibliothek als ein werthvolles Ver- mächtniss verblieb. Schon bei seinen Lebzeiten hatte mein Freund Ziegler, uneigennützig wie selten Einer, mir alles zur Verfügung gestellt, was meinen Studien dienen konnte; wir besprachen uns oft über die Grabstätten; der Fortgang der Forschungen darüber erregte sein lebhaftes Interesse, und er sah erwartungsvoll der Schrift entgegen, wozu er so trefffiche Beihülfe gewährte; aber er sollte das Erscheinen nicht mehr erleben, denn er starb am 11. April 1878, ein Muster der Bescheidenheit, ein redlicher Arbeiter, der im Stillen so viel gethan und zur Sicherung historischer Wahrheit so gern geholfen hatte. Ausserdem ist ein geschricbener Folioband hervorzuheben, dessen erste Seite folgende Aufschrift trägt:Memorabilia Hanovica zusammen Collectiret aus Autent: ms(d. b. authentischen Manuscripten) von Georg Friedrich Dhein angefangen 1712. Es ist eine Chronik, welche die Zeit von 1600 bis 1729 umfasst; sie gehört dem Hanauer Geschichtsverein; die Fortsetzung dazu befindet sich im Staatsarchiv zu Marburg. Diese Memorabilien, flüchtig und nachlässig geschrieben, aber im Ganzen doch zuverlässig, enthalten namentlich über die reformirte Gruft einige Aufschlüsse, die sonst nirgends vorkommen.

Das Wichtigste aber ist in solchen Fällen eigne Anschauung, die selbstverständlich nicht leicht zu erlangen ist und immer nur Wenigen vergönnt sein kann. Dass ich die Gruft der ref. Kirche ungehindert und so genau, wie es für meinen Zweck nöthig war, besichtigen durfte, verdankte ich dem Umstand, dass am 28. Juli 1877 der hundertjährige Geburtstag des Kurfürsten Wilhelm II. kirchlich gefeiert wurde und bei dieser Gelegenheit die Gruft, worin er ruht, zwei Wochen lang offen stand. Die bei so schwierigem Werk unentbehrliche Beihülfe leistete in erfreulichster Weise der Obersecundaner Moritz von Cornberg, dessen Vater, Herr Baron Christian von Cornberg, Oberst ausser Dienst, sich mit regem Eifer der Sache annahm; durch ihn erhielt ich auch die Mittheilungen aus dem reformirten Kirchenbuch, während ich die Auszüge aus dem lutherischen der Güte des Herrn Pfarrers Wiederhold verdanke. Im September 1877 unterzogen wir die Grabsteine und Monumente der ref. Kirche einer genauen Untersuchung, wobei ich ausserdem noch von Herrn Pfarrer Frick, vormaligem Pfarrer zu Ober-Ellenbach bei Rotenburg, trefflich unterstützt wurde. Uebrig war nun noch die Gruft der lutherischen Kirche, auf die es besonders ankam, weil darüber so gut wie nichts bekannt war. Das Presbyterium, in dem Herr Pfarrer Junghans, Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins, die Sache zur Sprache brachte, kam den Wünschen des Vereins mit einer Bereitwilligkeit entgegen, wofür wir ihm, sowie allen, die uns unterstützten, besonders dankbar sind, und gestattete, eigens zu wissenschaftlichen Zwecken, die Gruft zu öffnen. So wurde auch diese Gruft, die ebenso wie die andere seit December 1847 verschlossen war, vom 28. bis 30. August 1878 zugänglich. Die nöthige Unterstützung beim Niederschreiben der Aufschriften, die hier zum ersten Mal gelesen wurden, leisteten mit thätiger Ausdauer die Herrn Studiosus juris Karl Jung-