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in ſeiner Geſchichte des Hochſtifts Fulda(1860) und Gößmann in ſeinen Beiträgen zur Geſchichte des vormaligen Fürſtentums Fulda(1857) nehmen ohne weitere Prüfung die An⸗ ſicht Browers und Schannats an, daß Konrad I. in der fuldaiſchen Kirche„vor(2) dem Kreuzaltare“ zur Erde beſtattet ſei. Die 1855 in zweiter Auflage erſchienene Schrift: der Dom zu Fulda, eine kurze Darſtellung ſeiner Geſchichte, Bauart und Merkwürdigkeiten, ſtellt dagegen die Sache ſo hin, daß es den Eindruck macht, als ob der Verfaſſer die Entſcheidung zwiſchen Weilburg und Fuldaofeenlaſſen wolle ¹).
In der Abhandlung über König Konrad I. ſchloß ſich Karl Schwartz,*) der noch in der erſten Auflage ſeines Handbuchs: Biographien aus dem Mittelalter, 1844, die Anſicht ausgeſprochen, daß Konrad I. zu Weilburg beige ſetzt, ſpäter aber ſein Leichnam nach Fulda gebracht worden ſei, und auch in ſpätern Auflagen dieſe Faſſung im weſentlichen beibehalten hatte, dem Urteile, daß die von ältern und neuern Geſchichtſchreibern feſtgehaltene Nachricht, wonach König Konrad I. in der Baſilika zu Fulda begraben ſei, ebenfalls an; ihm folgten Gie ſebrecht in ſeiner Geſchichte der deutſchen Kaiſer I. 209; Dümmler Geſchichte des Oſtfränkiſchen Reichs II. 593 u. f. und Friedrich Stein, der neueſte Bearbeiter der Geſchichte des Königs Konrad I. und ſeines Hauſes, Nördlingen 1872.
Führen wir noch einmal die verſchiedenen Nachrichten der Quellen an uns vorüber, ſo werden wir finden, daß dies Urteil als bewieſen feſtzuhalten und alle die abweichenden Angaben ſowie Kompro⸗ miſſe zu verwerfen ſind.
Die Annales Fuldenses antiqui(Mon. Germ. hist. V. p. 116), worin ſicher ein hinreichender Aufſchluß über den Grabort Konrads I. zu finden geweſen wäre, reichen leider in den erhaltenen Hand⸗ ſchriften zu München, Kaſſel und Wien nur bis in die drei erſten Decennien des 9. Jahrhunderts, und die Annales Fuldenses Mon. I. p. 339 auch nur bis in den Anfang des 10. Jahrhundert; dagegen findet ſich in faſt allen Annalen, wie in denen von Köln, Corvei, Hersfeld, Hildesheim, Quedlin⸗ burg, Weißenburg die kurze Angabe ſeines Todes: Conradus rex obiit, Heinricus regnare coepit, oder cui Heinricus successit, nur mit dem Unterſchiede, daß die Angabe des Jahres ſchwankt zwiſchen 918 und 919; richtig geben das Todesjahr die Annalen St. Bonifatii, Corbeienses, Laubacenses, Leodienses, Pragenses, Alamannici, Sangallenses maiores und Liudprand 23. Dez. 918, an; der letztere und die Chroniken Herimanni und Bernoldi erzählen außerdem auch noch die Vorgänge vor dem Tode Konrads I.*¹), deren auch die Annales Weissenburgenses und Einsidlinenses erwähnen; die Annales St. Vincentii Mettensis und Benigni Divionensis geben das Jahr 920 als Todesjahr an, aber keine dieſer Quellen er⸗ wähnt des Orts ſeines Todes oder ſeines Begräbniſſes; nur die Chroniken des Fortſetzers Reginos, Widukinds, Thietmars von Merſeburg, des Annaliſten Saxo und die Annales Mettenſes ent⸗ halten darüber Nachrichten.
Der Zeit nach am nächſten und faſt gleichzeitig mit König Konrad I. lebte Regino, Abt von Prüm, im Kloſter St. Maximin bei Trier, wo er 915 beſtattet iſt. Seine Chronik reicht von Chriſti
¹) In Welles Buchonia(1813), ebenſo wie in Nick, der hl. Sturmius, und in Schleicherts hiſtoriſchen Darſtellungen auf den Umſchlägen der Andachtsbüchlein der allgemeinen Pfarrbruderſchaft in der Domkirche zu Fulda finden ſich über das Grab des Königs Konrad I. keine Angaben.
²) Dieſelbe wurde in ihren weſentlichen Teilen in einer Verſammlung des hiſtoriſchen Vereins zu Fulda am 20. Januar 1848(vergl. Periodiſche Blätter der hiſtoriſchen Vereine 1848 Nr. 9) vorgetragen und ſodann erſchien dieſelbe im Programme des Gymnaſiums zu Fulda 1850.
³) Zur Sache vergl. Waitz, Heinrich I. Neue Bearbeitung S. 37.


