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Es iſt ohne Zweifel ein Irrtum, der ſich nur durch eine Verwechslung der Namen Wilinaburg mit Quidilingaburg oder der Perſonen Konrads I. mit dem folgenden Könige Heinrich I. erklären läßt, da letzterer allerdings in der Servatius-Kirche zu Quedlinburg begraben liegt. Die Anſicht, daß Konrad I. zu Quedlinburg geſtorben und begraben ſei, welche von H. von Bünau in ſeiner „Teutſchen Kayſer⸗ und Reichshiſtorie“(1743) mit Bezug auf die von Karl Ludwig Tolner 1700 in Frankfurt a. M. erſchienene Historia Palatina und die von Nic. Hieron. Gundling 1706 zu Halle erſchienene Abhandlung de statu reipublicae Germanicae sub Conrado I. Franciae Orientalis rege mitteilt, findet in den Werken beider keine Begründung. Gundling(p. 68) und Tolner(p. 186) ſagen zwar, daß König Konrad I. zu Quedlinburg 919 am 23. Dez. geſtorben ſei; was in Bezug auf das Jahr ſeines Todes ein Irrtum, und in Bezug auf den Ort nur durch eine Verwechslung mit Weilburg zu erklären iſt, indem Konrad I. ohne allen Zweifel am 23. Dez. 918 zu Weilburg ge⸗ ſtorben iſt(Waitz, Jahrbücher des deutſchen Reichs, p. 138). Aber als ſeine Grabſtätte gibt Tolner „Wilinaburg an, iuxta patrem suum Conradum, worunter man Weilburg im Naſſauiſchen oder Limburg an der Lahn verſtehen könne“; er hebt ausdrücklich hervor, indem er die Angabe des Fort⸗ ſetzers Reginos und anderer verwirft, daß Konrad nicht zu Fulda begraben ſei. Dagegen ſagt Gundling, der König ſei begraben zu Weilburg oder zu Fuldaz; er führt S. 72 ſeine Gewährs⸗ männer für beide Anſichten auf und ſpricht als Ausgleich ſeine Anſicht dahin aus, daß der Leichnam des Königs Konrad zu Weilburg zur Ruhe beſtattet und dort geſtanden(repositum) habe, bis er in Fulda feierlich begraben worden ſei,(„forte iuxta Glismudam matrem“). Schließlich erinnert er an den Brauch, wonach die Leichname der Könige an verſchiedenen Orten begraben lägen, der Art, daß an einem Orte die edlern Eingeweide, an einem andern der übrige Körper beſtattet worden ſei. Daß die Mutter des Königs Glismuda, wie Gundling vermutet, in Fulda begraben ſei, darüber iſt nirgends eine Nach⸗ richt vorhanden; folgt auch nicht daraus, daß ihr Todestag(VI. Cal. Mai. 924), im Necrologium Fuldense(Schann. h. f. II. 471) eingetragen iſt.
Bünau hält zwar die Anſicht, daß Konrad I. in Quedlinburg begraben ſei, ebenfalls für höchſt unwahrſcheinlich, erwähnt aber auch, daß man zu Limburg ein Grabmal zeige,„ſo Conradi Denk⸗ und Ehrenmal ſein ſoll, in Folge deſſen man gemutmaßt habe, der Körper des Königs ſei zu Weilburg oder Limburg zwar beigeſetzt, aber nachher zur ewigen Ruhe nach Fulda gebracht worden.“ Bünau kommt jedoch ſchließlich auch zu der Entſcheidung, daß Konrad I. ſeine Grabſtätte in Fulda gefunden habe.
Heinrich Meibom junior in ſeinem Werke Rerum Germanicarum Scriptores(1688) bemerkt p. 677 zu der Stelle der Annalen Widukinds:„Sepeliturque in civitate sua Wilinaburg“, daß ſich zwar in einer Ausgabe Thietmars von Merſeburg, wo von der Leichnamsfeier Königs Konrad I. die Rede ſei, ſtände, daß dieſelbe in Limburg geſchehen ſei, fügt aber ſchon hinzu, daß in dem zu Grunde liegenden handſchriftlichen Codex nicht Limburg, ſondern Vilini ſtände, was mehr auf Wilinaburg(Weilburg) hindeute. Ebenſo enthält das Werk von Leibnitz, die Scriptores rerum Brunsvicensium(1707— 1711), im erſten Bande der Ausgabe der Chronik Thietmars von Merſeburg, die Stelle„ac exequiis in Lim- burg peractis“, in der Note aber die Variante„Wiliniburg“, wie dies auch in der Textausgabe der Mon. V., 736, geſtützt auf den Dres dener Codex(Lappenberg im Vorworte Mon. G. h. V. 729 seq.), ¹) richtig ſteht.
¹) Die beiden ältern Ausgaben Thietmars von Merſeburg vor Leibnitz ſind von Reineck 1580 und von Medler 1667.


