Aufsatz 
Das Grab des Königs Konrad I. in der Basilika zu Fulda / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Das Grab des Königs Konrad I. in der Baſilika zu Fulda.

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I.

Bei den Geſchichtſchreibern älterer und neuerer Zeit, welche das Leben Konrads I. darſtellen, mögen ſie nun darauf zu ſprechen kommen bei der Schilderung der Vorgänge der Reichsgeſchichte oder bei der Entwickelung der Geſchichte eines einzelnen Stammes, wie hier der fränkiſch⸗heſſiſchen Lande oder der Spezial⸗Geſchichte der Abtei Fulda, finden ſich abweichende Angaben über den Ort, wo die Gebeine des erſten deutſchen Wahlkönigs Konrad I. ihre Ruheſtätte gefunden haben. Es werden die Münſterkirchen zu Quedlinburg, Limburg, Weilburg und Fulda genannt.

Es kann nicht der Zweck ſein, eine vollſtändige Ueberſicht über alle hier einſchlagende Geſchichts⸗ werke zu geben, ſondern es ſollen nur einige als Hauptvertreter der verſchiedenen Anſichten, denen ſich die anderen gruppenförmig anſchließen, hervorgehoben werden. Es iſt dieſe überſichtliche Behandlung der hier einſchlagenden hiſtoriſchen Literatur um ſo mehr geboten, als ſich gar bald herausſtellen wird, wie die Geſchichtſchreiber des vorigen und dieſes Jahrhunderts vorzugsweiſe in drei Hauptgruppen zerfallen, je nachdem ſie für Weilburg oder Fulda ausſchließlich ſich ausſprechen oder einen Vermittlungs⸗ weg einſchlagen, der die widerſprechenden Angaben der Quellen zwiſchen Fulda und Weilburg auszugleichen ſucht..

Die Anſicht, daß König Konrad zu Quedlinburg begraben ſei, entbehrt aller Begründung; indem gerade die Chroniſten, welche für die Zeit Konrads I. weſentliche Quellen ſind, dem Sachſenlande angehören und für die Vorgänge im Sachſenlande beſonders zuverläſſig ſind, Widukind von Corvei, Thietmar von Merſeburg und der Annaliſt Saxo, lediglich nur Weilburg als Begräbnisort Konrads I. nennen. Wie ſollte es denkbar ſein, daß ihnen ein ſolcher Vorgang, wie die Beſtattung König Konrads in Quedlin⸗ burg, unbekannt geblieben wäre, zumal da Widukind dem kaiſerlichen Hauſe nicht ganz fern ſtand, wie die Widmung ſeiner Geſchichte an die Aebtiſſin des Kloſters zu Quedlinburg, die Tochter Ottos I., zeigt, alſo leicht gute und zuverläſſige Nachrichten aus Quedlinburg erhalten konnte, und Thietmar von Merſe⸗ burg ſeine Jugendjahre gerade in Quedlinburg verlebte. Aber auch abgeſehen davon, wäre es ohnehin höchſt unwahrſcheinlich, daß Konrad bei ſeiner Stellung zu Heinrich von Sachſen und den ſächſiſchen Großen, die ſich wiederholt gegen ihn empört hatten, ſeine Grabſtätte in ihrem Lande gefunden haben ſollte. Dazu kommt noch, daß auch keine andere eigentliche Quelle des Begräbnisortes Konrads I. in Quedlinburg erwähnt; insbeſondere, daß die Ouedlinburger Annalen(Mon. Germ. hist. V. 52) zum Jahre 919 zwar ſeinen Tod melden, aber nichts von ſeinem Sterben oder Begräbniſſe in Quedlinburg.

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