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Anhöhen in der Nähe umgeben, von Gebirgszügen in der Ferne umschlossen. Der Name Giessen wird zum erstenmal im Jahre 1203 genannt, die Hochschule wurde 1607 feierlich eröffnet. In geologischer Beziehung bietet diese Musenstadt manches Interessante. Der Grund und Boden des südlichen Teiles besteht vornehmlich aus Grauwacken des Kulms, jener unteren Stufe des Carbons, die man gewöhnlich als Ufer- und Flachseebildung ansieht, und die keine Steinkohlenflöze beherbergt. Das Gestein ist gut zu beobachten am Bahnhof(hier mit schönen Faltungen), sowie in der nahen Liebigstrasse unter dem Pflaster bis zur katholischen Kirche. Hier stösst es mit Verwerfung an den Stringocephalen- kalk, der sich nur auf kurze Entfernung nach Osten erstreckt und dann gegen das Tertiär ebenfalls mit Verwerfung abbricht. Der Norden der Stadt(z. B. die Gegend nach dem neuen Fried- hofe) sowie der Osten stehen auf tertiären Sanden und Tonen von grosser Mächtigkeit. Diese sind im Norden von altdiluvialen Lahnschottern überdeckt, die auch im Süden der Stadt auf der Höhe des Seltersbergs liegen. Die Altstadt, der westliche Teil der Stadt, ist auf alluvialen Anschwemmungen der Lahn und Wieseck erbaut, die an manchen Stellen so sumpfig waren, dass man seinerzeit für die Fundamentierung von Gebäuden Pfahl- roste herstellen musste, wie z. B. in der Nähe der Stadtkirche. Wer den Stringocephalenkalk in grösseren Aufschlüssen sehen will, der wandere von Giessen in der Richtung nach dem Dorfe Leihgestern(nach Süden) zu dem in der sog. Lindener Mark gelegenen Braunsteinbergwerk. Der Kalk, der mit Verwerfung einerseits an die Kulmgrauwacken, andererseits an das Tertiär stösst, erscheint an seiner Oberfläche fast überall in Dolomit verwandelt. Diese ist unregelmässig, stark zerklüftet und verkarstet, weil.„sie vermutlich längere Zeit freilag, bis sie mit jüngerem Tertiär bedeckt wurde. An der Grenze von Kalk und Tertiär befindet sich das schwarzbraune Manganerz, das aus Psilomelan, Pyrolusit(Braunstein) und manganhaltigem, mulmigem Brauneisen- stein besteht. Die über den Erzen liegenden jüngeren tertiären Schichten sind buntgefärbte, ziegelrote oder violette Tone von wechselnder Mächtigkeit und enthalten grössere oder kleinere Nester oder Butzen von Manganerzen. Auf diese Tone folgen dann bis zur Oberfläche altdiluviale Lahnkiese. Vor etwa 70 Jahren begann man mit der Ausbeutung dieser Braunsteinlager, und jetzt noch werden die Erze gewonnen, vorzugsweise durch Tagbau, der seit längerer Zeit in grossartigem Massstabe’ be-


