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T. 3 (1910) Oberhessen
Entstehung
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17.

in der Wetterau weit verbreitet sind, wie z. B. bei Ockstadt und Bad Nauheim, so ist ihr Alter noch nicht einwandfrei festgestellt. Manche Geologen halten sie für pliocän, andere dagegen betrachten sie als Aquivalente der Corbiculastufe. Unzweifelhaft pliocän, wahr- scheinlich oberpliocän, sind aber die Tone mit den mächtigen Braun- kohlenflözen, die in der Gegend zwischen Assenheim und Hungen liegen.

Wie sind die Braunkohlen entstanden?

Jede Pflanze braucht zu ihrem Aufbau und Gedeihen neben andern chemischen Elementen Kohlenstoff und bezieht diesen aus dem in der Atmosphäre enthaltenen Kohlendioxyd. Verbrennen wir die Pflanzen, so geht der Kohlenstoff wieder in Form von Kohlendioxyd in die Atmosphäre zurück. Dies geschieht aber auch, wenn der Pflanzenkörper bei ungehindertem Luftzutritt der Verwesung oder sog. langsamen Verbrennung anheimfällt. Es bleiben dann wie bei der raschen Verbrennung nur anorganische Bestandteile zurück.

Anders dagegen vollzieht sich dieser Vorgang, wenn der Luft- zutritt grösstenteils gehindert wird, wie dies z. B. in Sümpfen und Teichen der Fall ist, wo die abgestorbenen Pflanzenteile durch die Wasserbedeckung fast ganz von der Luft abgeschlossen sind. Hier unterliegen sie nur einer unyollständigen Zersetzung, denn nicht aller Kohlenstoff kann in gasförmige Verbindungen umgesetzt werden. Die Folge davon ist, dass sich im Laufe langer Zeit- räume am Grunde solcher Gewässer eine kohlenreiche, schlammige Masse bildet, die man mit dem Namen Faulschlamm bezeichnet hat. Grössere sumpfige Waldflächen, wie wir sie heutzutage in den Mangrovesümpfen an den flachen Küsten der Tropenzone und in den sogenannten swamps! am Mississippi finden, sind daher vor- nehmlich Bildungsstätten von Faulschlamm. Dass dieser hier nicht nur aus zersetzten Sumpfpflanzen besteht, sondern auch vermoderte Baumstämme sowie andere Holzteile in sich birgt, ist wohl selbst- verständlich. Aus ihm bildet sich zunächst filziger Torf, der später zu Braunkohlen und schliesslich zu Steinkohlen wird. Bei dieser Umwandlung spielen aber ausser chemischen Prozessen auch physi- kalische Vorgänge eine wichtige Rolle. Durch Hebungen und Senkungen des Bodens wird die Oberfläche der Länder verändert, Festland wird zu Meeresgrund und umgekehrt. Wenn nun Gegenden mit Torflagern von Meerwasser überflutet werden, so

swamp= Sumpf.