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beweisen, dass in der oberoligocänen Periode bereits grössere Sümpfe mit reicher Vegetation in unserem Gebiete vorhanden waren. Weiter nördlich in der Gegend von Marburg, Ziegenhain, Guntershausen, Kassel u. s. w. wogte damals noch das offene Meer, wie die aus dieser Zeit stammenden sog. Kasseler Meeressande er- kennen lassen.
In der nun folgenden Miocänzeit rückte das Meer nochmals vor, und über der ausgefurchten Oberfläche des Cyrenenmergels wurden auch in der Wetterau jene sandigen, sandig-mergeligen und kalkigen Schichten abgesetzt, die die untere Stufe des Ceri- thienkalkes bilden. Sie enthalten eine marine Fauna(Foraminiferen, Cerithien etc.) neben Brack- und Süsswasserformen. Ein grosser, schöner Aufschluss in diesen Cerithiensanden befindet sich nördlich der Strassenbiegung zwischen Gross- und Klein-Karben¹. Ferner wurden die Cerithienschichten in den Jahren 1907/08 auf dem Grundstück des Selzer Brunnens bei Grosskarben erbohrt ².
Die Meeresbedeckung war aber nicht von langer Dauer, es entstand wieder ein Seebecken, das mit der Zeit immer kleiner wurde und allmählich der vollständigen Aussüssung anheim fiel.
Die marinen und brackischen Formen starben darin nach und nach aus oder passten sich dem Süsswasser an, und andere Mol- luskenarten, so z. B. die Muschel Corbicula Faujasi, eine Ver- wandte der Cyrena, bevölkerten das Becken. Seine Sedimente, die Corbiculakalke, sind in Rheinhessen meist kalkig, bei Frank- furt a. M. mergelig und in der nördlichen Wetterau vorwiegend sandig. Die nördlichste Stelle der Wetterau, an der Corbicula- versteinerungen gefunden werden, ist der verkieselte Sandstein am Steinberg bei Münzenberg. An den Schichtflächen dieses Sand- steins findet man in zahlreichen Abdrücken die Reste einer sub- tropischen Flora, die der Uferlandschaft jenes Sees aus der Miocän- zeit angehörte.
Die auf die Corbiculakalke folgenden ebenfalls miocänen Litorinellenkalke, die vornehmlich in der Gegend von Mainz und Wiesbaden vorkommen, hat man in Oberhessen bis jetzt noch nicht angetroffen. Unser Gebiet scheint somit zur Zeit der Ablagerung dieser Gebilde bereits Festland gewesen zu sein.
Was nun noch die fossilfreien Sande und Tone anlangt, die
¹ Steuer, Bericht über die Exkursion nach den Aufschlüssen im Tertiär von Gross- und Klein-Karben etc. a. a. O.
¹ Steuer, Uber Cerithienschichten und Cyrenenmergel bei Gross-Karben, a. a. 0.§. 55 f.


