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lagern sich Schlamm, Sand und Gerölle auf ihnen ab. Mit der Zeit häufen sich diese Gebilde mächtig an und verbinden sich zu Gesteinsmassen(Sedimentbildung), die um so fester werden, je mehr die Wasserfläche sich zurückzieht und das Land trocken legt. Darauf können wieder Sümpfe und Torfmoore entstehen, die dann möglicherweise auch überflutet und von Sand und Ge- röllen überdeckt werden u. s. w. Alle diese Vorgänge können sich mehrmals wiederholen. Aber nicht nur von den Absätzen des Meeres werden Torflager überdeckt, sondern auch von den Produkten vulkanischer Eruptionen, die vielfach Berge und ganze Gebirge über ihnen bilden. Natürlich können auch auf beiderlei Art abwechselnd Gesteinsmassen über den Torfschichten gebildet werden.
Sind nun diese Gesteinslager von grosser Mächtigkeit, so üben sie einen starken Druck auf ihre Unterlage aus. Druck erzeugt aber Wärme, und diese beschleunigt die Umwandlung der Pflanzen- faser in kohlige Substanz. Dass die durch Druck erzeugte Wärme diese Umbildung tatsächlich bewirkt, wird durch eine Erfahrung bestätigt, die man in den 70er Jahren des 19. Jahrhs. beim Bau der Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Breisach gemacht hat. Die mächtigen Fichtenstämme, die man damals in dem Rhein- bette einrammte, erlitten an der Stelle, wo sie auf festen Unter- grund(Tephritgestein) stiessen, eine starke Stauchung; ihr Holz wurde dadurch bis 0,5 m vom Unterende gefältelt und gebräunt bis geschwärzt. Der Vorgang hatte sich in ungefähr 1 ¼ Stunden durch etwa 2000 Rammschläge abgespielt. Das gebräunte Holz zeigte die Eigenschaften von Braunkohlen und die schwarzge- wordene Kruste am untersten Ende die des Anthrazits mit 90% Kohlenstoff ¹.
Auch die Braunkohlenlager in Oberhessen sind in ähnlicher Weise entstanden, wie wir es oben geschildert haben. Nachdem sich das Tertiärmeer in der miocänen Zeit aus unserem Gebiet zurückgezogen hatte, war hier ein günstiger Boden entstanden für die Bildung ausgedehnter Sumpfwälder mit einer Vegetation, wie sie heute in subtropischen Gegenden zu Hause ist. Es wuchsen hier Weiden, Birken, Erlen, immergrüne Eichen, Feigen-, Zimmt-, Lorbeer-, Kampfer-, Lebens- und Mammutbäume neben Sumpf- zypressen, echten Akazien und Magnolien. Alles war durchwuchert von dornigen Sträuchern und üppigen Farnkräutern; riesige Lianen schlangen ihre dünnen Stengel um die starken Baum-
¹ E. Kayser, Lehrbuch der Geologie I. Teil, Stuttgart 1905,§. 462.


