— 8—
Am Ende der Buntsandsteinzeit traten auch in unserem Gebiete Senkungen des Bodens ein, und es erfolgte wieder eine Ueberflutung durch das Meer, in dem eine Folge von kalkigen, dolomitischen und mergeligen Schichten, der Muschelkalk, abgelagert wurde. Mit der Zeit änderten sich die Niveauverhältnisse dieses Meeres; hier und dort tauchten Ländermassen aus ihm hervor, und ein grosser Teil Deutschlands wurde dadurch in flache, mit Buchten, Seen und Sümpfen bedeckte Niederungen verwandelt. Es bildeten sich hier nun Ablagerungen, die aus bunten Letten mit Gips- stöcken, aus Sandsteinen sowie Kalksteinen und tonigen Kohlen bestehen und unter dem Namen Keuper bekannt sind. Dieser bildet das letzte Glied der Trias und ist viel mannigfaltiger gestaltet als die beiden anderen. Gegen Schluss der Keuper- zeit, in der manche Geologen eine Festlandsperiode erblicken, fanden auch in unserem Lande wiederum Bodensenkungen statt, die in der nun folgenden Periode derartig zunahmen, dass sich nach und nach ein verhältnismässig tiefes Meer vermutlich über ganz Deutschland ausbreitete. Darin kam eine vorherrschend kalkige oder tonig-kalkige Schichtenfolge zur Ablagerung, die man Juraformation genannt hat, und die besonders in Württemberg und Bayern mächtig zur Entwickelung gekommen ist. Dass Muschelkalk, Keuper und Jura auch in Obérhessen zur Ausbildung gelangten, beweisen die Reste dieser Gesteine, die bei Angersbach, das nicht weit von Lauterbach im Maar-Fuldaer Graben liegt, vorkommen.
Die Wogen des Jurameers hatten sich allmählich verlaufen, auf weite Strecken wurde Deutschland trockenes Land, nunmehr bedeckt mit den kalkigen Sedimenten jener Periode. Während nun in verschiedenen Ländergebieten Deutschlands und Europas in Meeresteilen oder Binnenseen eine Schichtenfolge zur Ablagerung kam, die den für die Gesteinsausbildung durchaus nicht bezeichnen- den Namen Kreide führt, blieb unser Gebiet sowie Südwest- deutschland in dieser Zeit frei von jeder grösseren Wasserbé- deckung und somit auch von den Absätzen dieser Formation. Dies geht aus der Tatsache hervor, dass man bis jetzt in jenen Gegenden nirgends Spuren von Kreidebildungen angetroffen hat.
In der hier langandauernden Festlandsperiode arbeiteten die zerstörenden Kräfte des Wassers und des Windes an der Decke von Jura, Keuper und Muschelkalk und trugen diese zum Teil bis auf den Buntsandstein ab. Erst in der auf die Kreidezeit folgen- den Tertiärperiode wurde Hessen wieder von Sedimenten bedeckt.


