— 7—
Welche geologischen Ereignisse haben sich im Laufe der Erd- geschichte hier abgespielt?
Wie es in der grauen Urzeit der Erde in unserem Gebiete aussah, wissen wir nicht, und aus den ersten Abschnitten des Altertums, dem Cambrium und Silur, sind keinerlei Zeugen vorhanden, die uns auch nur irgend einen Fingerzeig geben könnten, ob damals Oberhessen vom Meere bedeckt war oder trocken lag. In der nun folgenden Devon- zeit aber war es zweifellos vom Meere überflutet, wie durch die an den bereits erwähnten Orten vorkommenden devonischen Sedimente (Grauwacken, Kalke, Schiefer etc.) bewiesen wird. Eruptivgesteine aus dieser Periode, als Diabas und Diabastuff(Schalstein), wie sie im angrenzenden hessischen Hinterland und im Dillenburgischen in weiter Verbreitung vorkommen, hat man in unserem Gebieto bisher noch nicht beobachtet. Vom Carbon tritt nur die untere Abteilung, der Kulm, bei Giessen zutage, während das durch seine Steinkohlenlager so wichtige Oberkarbon nur einmal in dünnen Flözchen im Altenstädter Steinbruch erbohrt wurde. Im ersten Abschnitt der Permzeit kamen in flachen Meeresteilen die Schichten des Rotliegenden zur Ablagerung, das wir im Süden unseres Gebietes zwischen Main und Vogelsberg antreffen; gleich- zeitig erwachte aber auch die vulkanische Tätigkeit, und es entstanden die Melaphyre, deren Reste nur noch vereinzelt vorkommen. Im nächsten Abschnitt des Perms wurde der grösste Teil von Nord- und Mitteldeutschland und auch Oberhessen von einem von Norden hereinbrechenden tieferen Meere bedeckt, in dem jene kalkig-tonigen, dolomitischen, Gips und Steinsalz führenden Sedimente nebst Konglomeraten entstanden, die den Namen Zechstein führen. Dieser streicht nur noch als schmaler Streifen am Südwestrande des Vogelsbergs aus. Die im deutschen Zechstein vorkommenden grossen Salz- und Gipslager lassen die Vermutung entstehen, dass sich gegen das Ende der Permzeit ein heisses Klima herausgebildet hatte, das auch noch in der nächstfolgenden Buntsandsteinzeit andauerte.
Während seiner Herrschaft ist nach der Meinung verschiede- ner Geologen der Buntsandstein unter ähnlichen Bedingungen gebildet worden, wie sie heute in den afrikanischen und asia- tischen Wüstengegenden bestehen. Entgegen dieser Ansicht wird von anderer Seite angenommen, dass er in einem flachen Watten- meere abgesetzt worden sei. Er kommt in Oberhessen unter dem Vogelsberg und noch grösstenteils an dessen Rande vor.


