— 33—
liegen. Die Hydrobienkalke sind also mit den unter ihnen lagern- den Schichten am Kästrich und Hartenberg nach der Rheinebene hin abgesunken.
Am besten sind diese Kalke und Mergel jetzt in Rheinhessen in den grossen Steinbrüchen der Budenheimer Kalkwerke aufge- schlossen, die etwa 1 ½ Stunde in westlicher Richtung von Mainz liegen. Hier sieht man sehr schön den Wechsel von Kalk- und Mergelablagerungen, die meistens gut geschichtet sind; die Kalk- bänke treten fast nur in den tieferen Lagen auf.
Der Name Hydrobienkalk wurde dieser Abteilung deshalb gegeben, weil die Gehäuse der Schneckengattung Hydrobia in so ausserordentlich grossen Mengen darin vorkommen, dass einzelne Schichten, wie bereits erwähnt, aus einer Anhäufung von Milliarden dieser Gehäuse bestehen. Diese sind nicht durch Kalkzement ver- bunden, sondern man kann sie mit den Fingern aus dem anstehenden Gestein herauskratzen. Besonders häufig ist darin auch die Muschel Dreissena Brardi, die sich dem Süsswasser angepasst hat. Sie ist eine nahe Verwandte der Art, die heute in den Kanälen bei Strassburg sehr häufig ist und dort durch Schiffe, an die sie sich unten ansetzt, eingeführt wurde. Ferner kommen in diesen Kalken und Mergeln ebenfalls häufig vor: Helix-, Clausilia-, Pupa-, Limnaeus- und Planorbisarten. Sämtliche Hydrobienkalkschichten werden zur Zementfabrikation in grossartigen Betrieben bei Buden- heim a. Rh. und am Hessler bei Wiesbaden abgebaut.
In bezug auf die Wasserführung der bisher betrachteten Kalke, sei bemerkt, dass sie sowohl infolge ihrer Klüftigkeit, als auch wegen ihres lockeren und oft zelligen Gefüges viel Wasser aufnehmen können und dadurch einen der wichtigsten Wasser- horizonte des rheinhessischen Tertiärs bilden-. Die mergeligen Abteilungen(Septarienton und Cyrenenmergel) dagegen bedingen die Trinkwasserarmut der Provinz.
Die Dinotheriensande.
Die Wasserfläche des Mainzer Beckens hatte im Laufe der Miocänzeit immer mehr an Umfang abgenommen und war gegen das Ende derselben im Nordosten von Rheinhessen und am Taunusrande zu einem kleinen See zusammengeschrumpft, in dem die erwähnten Hydrobienschichten abgelagert wurden. Dieser See
¹ Lepsius, Mainzer Becken etc., S. 136 u. folg.
² A. Steuer, Die Entstehung des Grundwassers im hessischen Ried. l. c. S. 168 u. folg.
3


