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T. 2 (1909) Rheinhessen
Entstehung
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lag wohl jene reiche Wirbeltierfaunal, die im Jahre 1838 in Weisenau beim Fundamentausgraben eines Hauses gefunden wurde. Der Naturforscher H. v. Meyer, der dieselbe einige Jahre später beschrieb, sagt unter anderm darüber:In ein paar Händen voll von diesen Trümmern sind Überreste aus den verschiedensten Teilen von fast allen Wirbeltieren enthalten. Er sammelte dort z. B. über 1100 Zähne von Krokodilen, mehr als 400 Eidechsen- wirbel sowie 530 Schlangen- und 120 Salamanderwirbel. In der Gegend von Weisenau muss es demnach zur Zeit der Ablagerung jener Kalke von Krokodilen sowie anderen Reptilien und Amphibien geradezu gewimmelt haben.

Der Litorinellen- oder Hy drobien-Kalk und-Mergel.

Diese Gebilde gehören geologisch zu den Süsswasserab- lagerungen, denn Meeresmuscheln und-schnecken kommen nicht mehr darin vor. Gute Aufschlüsse in dieser Stufe sind nur in der Umgebung von Mainz und Wiesbaden vorhanden. In Mainz selbst gehören die Kalke und Mergel, die den höher gelegenen Stadtteil, den Kästrich, und den nördlich von ihm befindlichen, durch den Einschnitt des Zahlbachs getrennten Hartenberg zusammensetzen, zu den Litorinellenschichten. Sie sind seinerzeit bei den Fundamen- tierungsarbeiten der Mainzer Aktienbierbrauerei auf dem Kästrich mit vielen Wirbeltierresten freigelegt worden und können gelegent- lich bei Häuserbauten beobachtet werden. Einen sehr guten Aufschluss in dieser Stufe erhielt man bei dem Bau des Bahn- tunnels durch den Kästrich im Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Schichten enthielten Milliarden von Hydrobien neben einigen eingeschwemmten Helixarten. Einzelne dünne Bänke bestanden ganz aus den Schalen von Cypris, einem kleinen Muschelkrebs des Süsswassers, dessen Verwandte heute massenhaft in den stehenden Gewässern unserer Gegenden vor- kommen. Auch eine grosse Menge von Fischresten, darunter z. B. vollständige Skelette von Perca moguntina, wurden hier gefunden. Die auf der Höhe des Kästrichs anstehenden Hydrobienkalke hat man bei Bohrungen im Rheinbette bei Mainz gelegentlich der Erbauung der Strassenbrücke nach Kastel und der Eisenbahn- brücke nach Wiesbaden unter dem mehrere NMeter mächtigen Kieslager des Stromes angetroffen, und nicht etwa Corbiculakalke, wie solche unter dem Kästrich im Niveau des Rheinspiegels

¹1 Lepsius, Mainzer Becken, S. 129 und Böttger, Über die Fauna der Corbiculaschichten. Paläontologica 1877, Bd. 24, S. 185.