Druckschrift 
T. 2 (1909) Rheinhessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

konstatiert. In Rheinhessen ist es z. B. die Gegend von Oppen- heim a. Rh., wo solche Verwerfungen von A. Steuer in den letzten Jahren untersucht und durch eine Karte und ein Proflil, die wir am Schlusse unserer Abhandlung wiedergeben, erläutert wurdenl.

Die Karte zeigt unter anderem? eine, von Rüsselsheim über Bauschheim, Nackenheim, Oppenheim, Guntersblum und Alsheim ziehende Verwerfungsspalte. Von dieser zweigt oberhalb Nierstein eine zweite, zunächst nach Südosten verlaufende und dann mit der ersteren parallel gehende Spalte ab. Längs dieser Spalten sind die Schichten treppenartig nach dem Rheintal zu abgebrochen, wie dies z. B. in dem beigegebenen Profil des Rheintalrandes vom Steinberg bei Ludwigshöhe nach dem ehemaligen Orte Rudels- heim a. Rh. zu sehen ist. Die abgesunkenen Schollen bestehen aus tertiärem Kalk und Mergel, die noch von diluvialen Sanden und Kiesen des Rheines überlagert sind. Von ihnen mögen die am Gebirgsrande eine langsamere Bewegung gehabt haben als diejenigen in der Mitte der heutigen Ebene, wenigstens kann man sich dadurch die enorme Mächtigkeit der hier durch den Rhein aufgeschütteten Sande und Geröllmassen erklärens. In ihrer Lage- rung gleichen diese Schollen terrassenartig hängengebliebenen Eisstücken am Ufer eines Flusses, dessen Eisdecke in der Mitte durch das allmähliche Sinken des darunter befindlichen Wasserspiegels eingebrochen ist.

Die letzten Betrachtungen gaben uns Gelegenheit, von den Ablagerungen des Rheines zu sprechen, und damit werden wir zur Frage geführt: Wann hat dieser Fluss seinen Weg durch die Oberrheinische Tiefebene genommen? In Bezug auf die aller- älteste Diluvialzeit war man der Ansicht, dass damals der Rhein teilweise oder ganz nach dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte abgeflossen sei. Andererseits sind aber Beobachtungen vor- handen, wonach schon in sehr früher Diluvialzeit alpines Material durch die Oberrheinische Tiefebene nach Norden transportiert

¹ Vergl. A. Steuer, Bodenwasser und Diluvialablagerungen im hessischen Ried, I. c. 1907, S. 88 u. folg. u., Die Entstehung d. Grundwassers etc. I. c. S. 168.

² Die mit Zahlen(z. B. 83,50) versehenen Linien bedeuten Grund- wasserkurven; das sind Linien, die die gleichen Höhen des Grundwasser- standes mit einander verbinden. Sie zeigen, dass hier ein Abfliessen des Grundwassers in nordöstlicher Richtung nach dem Rhein zu vor sich geht.

³ Wie mächtig die diluvialen Schichten in der Rheinebene sind, beweist z. B. das etwa 200 m tiefe Bohrloch der Werger'schen Brauerei in Worms, in dem die Unterlage des Diluviums nicht erreicht wurde.