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T. 2 (1909) Rheinhessen
Entstehung
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wir in der Gegend des Königsstuhls bei Heidelberg. Der Turm auf diesem Berge ist auf dem Hauptgeröllhorizont des mittleren Buntsandsteins erbaut, während der Gipfel des vor ihm liegenden niedrigeren Gaisbergs anstehenden oberen Buntsandstein zeigt; der Gaisberg muss also gegen den Königsstuhl abgesunken sein. (Die Sprunghöhe beträgt etwa 250 m.) Viel reicher und gross- artiger in der Erscheinung sind dagegen die Senkungsfelder am Schwarzwald- und Vogesenrande. Wir erinnern nur an die Ein- bruchsschollen bei Lahr in Baden, die aus Buntsandstein bestehen und dem kristallinen Gebirge des Schwarzwaldes vorgelagert sind; ferner an die am Wasgau hinziehende Häügellandschaft von Barr über Zabern nach Weissenburg. Diese stellt ein mächtiges Bruch- feld dar, das eine ausgedehnte Zertrümmerung und ein sehr ver- schieden tiefes Absinken der Trias- und Juraschollen gegenüber den Vogesen zeigt, von deren Höhe dort alle jüngeren Schichten bis auf den Buntsandstein schon abgetragen sind.

Nach diesen Betrachtungen dürfte nun die Frage von Interesse sein: Wann begann der Einbruch der Erdschichten im Gebiete der heutigen Oberrheinischen Tiefebene, und wie lange dauerte derselbe an? Im Anfang der Tertiärzeit, im Eocän, war dieser geologische Graben noch nicht vorhanden. Ein flaches Meer bedeckte damals den nordalpinen Teil der Schweiz, das nördliche Frankreich, Belgien, den Süden von England, einen Teil der norddeutschen Tief- ebene, Dänemarks sowie Südschwedens und lagerte in Mulden und Ausbuchtungen dieser Gebiete seine Sedimente ab. So entstanden jene ältesten tertiären Absätze, die in Frankreich im Pariser Becken z. B. als nummulitenreicher Grobkalk, aus dem fast ganz Paris erbaut ist, und in England im Londoner Becken als Londonton ausser anderen Gebilden bekannt sind. Im Westen stand dieses mitteleuropäische Meer mit dem atlantischen, im Osten mit dem russischen Ozean in Verbindung, und aus ihm ragte fast ganz Deutschland, darunter auch unser Gebiet, als Insel hervor. In stetem Wechsel schwankten die Uferlinien dieses grossen Meeres hin und her; hier verschwanden flache Küstenstriche unter dem Meeresspiegel, dort wurden sie über denselben gehoben, im grossen und ganzen aber zog sich die See langsam zurück. Lange Zeit mögen diese Zustände gedauert haben; endlich aber veranlassten Hebungen und Senkungen des Bodens, besonders in Norddeutsch- land, bedeutende Veränderungen in den Grenzen unseres Meeres und bewirkten hier ein erneutes Vordringen desselben. Bis an den Fuss unserer Mittelgebirge erstreckten sich seine Fluten im An-