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Täler können auf verschiedene Weise entstehen, teils durch Spaltenbildung in der Erdrinde, teils durch Erosion, d. h. durch die ausnagende Tätigkeit des Wassers:; vielfach aber haben beide Ursachen an der Bildung der Täler mitgewirkt.
Unser Rheintal entstand auf die erstere Art. Die Geologen fassen es als einen breiten Graben auf, der schon vorhanden war, ehe der Rhein seinen Lauf durch diese Gegend nahm, und der seine Entstehung dem staffelförmigen Einsinken der Erdschichten zwischen den Rändern Schwarzwald— Odenwald und Vogesen— Haardt verdankt. Für diese Behauptung gibt es viele Beweise, von denen wir einige hier mitteilen wollen?.
Wer die malerisch schöne Bergstrasse durchwandert, dem fällt auch die weithin sichtbare Starkenburg bei Heppenheim auf. Sie erhebt sich auf einem Bergvorsprung, der von Buntsandstein gebildet wird, während die umliegenden Höhen aus Granit, Diorit und rontaktmetamorphen Schiefern bestehen.
Wie kommt nun diese Buntsandsteinscholle mitten zwischen die kristallinen Gesteine?
Die Antwort ergibt sich leicht, wenn man die Beschaffenheit und Lagerung dieser Sandsteinmassen etwas näher betrachtet. Besucht man von Heppenheim aus die Ruine, so kommt man an zertrümmertem, weiss und gelb gefärbtem Sandstein vorüber, und kurz vor dem Gipfel erreicht man einen grossen an der Nordseite des Berges angelegten Steinbruch, in dem ein steiles Einfallen der Schichten nach dem Rheintal hin zu bemerken ist. Daraus schliessen wir, dass hier eine zum Rheintal absinkende Scholle hängen geblieben ist, in der die einstige Buntsandsteindecke des Odenwaldes von der Abtragung verschont blieb, während sie in dem nicht abgesunkenen Nachbargebiete zerstört und weggespült wurde. Dieser Sandsteinrest wurde beim Absinken zerbrochen und zerstückelt und infolge dessen nach und nach ausgebleicht, d. h. er verlor seine ursprünglich rote Farbe.
Weiter südlich an der Bergstrasse liegen bei Weinheim im Norden und Süden der Stadt Buntsandsteinmassen am Granit, die durch Verwerfungen am kristallinen Grundgebirge des Odenwaldes abgesunken sind. Einen der schönsten Beweise aber für den trephenſäörmisen Abbruch der Schichten am Odenwaldrande haben
¹ Beispiele dafür sind das Elbtal in der sächsischen Schweiz und der Grosse Cafon des Colorado in Nordamerika. 2² Vergl. Ruska, I. c. S. 176 u. folg.


