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T. 1 (1908) Starkenburg
Entstehung
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der Kiefernwald auf. Treue Begleiter des Sandsteinbodens sind u. a. das Heidekraut, die Heidelbeere, der Fingerhut, der Besen- ginster und der Adlerfarn neben einigen Gräsern und Moosen, die einen trockenen Standort vertragen; ein plötzliches Fehlen dieser Pflanzen ist ein untrügliches Zeichen für das Auftreten eines anderen Gesteins.

Ehe wir den Buntsandstein verlassen, wollen wir noch einer interessanten Erhebung kurz gedenken, die grösstenteils aus ihm aufgebaut und zugleich die höchste im ganzen Odenwaldgebiete ist. Wir meinen den Katzenbuckel(628 m. ü. d. M.). Er besteht aus einem plateauähnlichen Buntsandsteinrücken mit einer flachen Kuppe aus basaltischem Gestein, das den Namen Nephelin-Dolerit führt. Genaue Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Kuppe eigentlich nur die abgerundete Endfläche eines Basaltstieles ist, der aus grosser Tiefe über den Sandstein hinausragt. ¹

Der Muschelkalk. Vollständig verschieden von dem verstei- nerungsarmen Buntsandstein ist die auf ihn folgende marine Ab- lagerung, die nach den oft in sehr grosser Zahl darin vorkommenden Versteinerungen(Muschelschalen)Muschelkalk genannt wird. Er besteht hauptsächlich aus grauen oder dunkelgefärbten Kalksteinen, Dolomiten und Mergeln und wird eingeteilt in den unteren, mittleren und oberen Muschelkalk. Die untere Abteilung besitzt in ihren oberen Schichten dünnplattige Kalksteine mit welliger Oberfläche, und heisst deshalb Wellenkalk. Die mittlere führt Gips, An- hydrit und Steinsalz, die Rückstände ausgetrockneter Meeresbuchten (Salzlager bei Wimpfen, Heilbronn und Jagstfeld). Der sehr grosse Salzgehalt jenes mittleren Muschelkalkmeeres liess kein Leben in ihm aufkommen(wie heute im toten Meere), und daher ist diese Stufe so gut wie fossilfrei. Die obere Abteilung, auch Haupt- muschelkalk genannt, enthält wie die untere in einzelnen Schichten viele Versteinerungen.

Der Muschelkalk ist im Schwarzwald(Württemberg und Baden), Spessart, Thüringerwald etc. weit verbreitet und wird zur Herstellung von Denkmälern und als Baustein verwendet(Bismarck- denkmal und Fassade des Landesmuseums in Darmstadt); im Oden- wald kommt nur die untere Abteilung in geringer Ausdehnung bei Michelstadt und Erbach vor.(S 28.) Bei dem Dorfe Erbach hat die lösende Tätigkeit des Regenwassers die zerklüfteten Muschel-

¹ Ruska, Geol. Streifzüge in Heidelbergs Umgebung. Leipzig 1908. S. 184.