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T. 1 (1908) Starkenburg
Entstehung
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Gebiete bedeutend grössere Wassermassen dem Meere zu als jetzt. Für unsere Gegend kommen in dieser Hinsicht vornehmlich Rhein und Neckar in Betracht, welch' letzterer damals seinen Lauf bei höherem Niveau als heute noch nach Norden hin am Rande des Odenwaldes etwa in der Nähe von Weinheim, Heppenheim, Bens- heim und Zwingenberg hatte. Diese brachten grosse Geröll- und Schuttmassen aus ihren oberen Gebieten mit, lagerten sie gröss- tenteils am Fusse der Odenwaldberge ab und bauten daraus die unteren Schichten unserer Terrasse auf. Ein guter Aufschluss in dieser Stufe findet sich nördlich des Pilgerhauses an der Strasse von Weinheim nach Lützelsachsen.¹

In der nun folgenden mittleren Diluvialzeit vertieften Rhein und Neckar allmählich ihre Flussbette und setzten somit kein Ge- steinsmaterial mehr auf der Terrasse ab. Dafür aber wurde sie durch die Geschiebe und Sande der vom Odenwald herabströmen- den Bäche erhöht, und zwar in der Weise, dass diese Gebilde sich in Form grosser Schuttkegel absetzten, die im Laufe der Zeit zu einer zusammenhängenden Terrassenstufe verschmolzen.

Gegen das Ende der Diluvialzeit änderten sich die Witterungs- verhältnisse vollständig. Die Zufuhr feuchter Luft hörte fast ganz auf, die Gletscher zogen sich nach und nach ganz zurück, und ein trockenes, kontinentales Klima setzte ein, es kam die so- genannte Steppenzeit. Starke Winde gingen durchs Land, legten die Gerölle, Kiese und Sande trocken und wirbelten das leichtere Material dieser Ablagerungen in die Höhe. Den feinsten Staub, den sie auch gegen das Gebirge zu tragen vermochten, setzten sie alsLöss ab, die gröberen Bestandteile dagegen breiteten sie über den Schottern, Kiesen etc. alsFlugsand aus. Von diesen Ab- lagerungen treffen wir den Löss auch auf unserer Terrasse, kaum aber den Flugsand, der mehr der Rheinebene angehört. Hierbei sei noch erwähnt, dass auch während der trockenen Interglacial- perioden Sand- und Staubmassen, auf die jeweils aufgeschütteten Schotter- und Geröllstufen der Terrasse geweht wurden.

Überblicken wir noch einmal kurz ihren Aufbau, so finden wir an der Basis altdiluviale Neckar- und Rheinsande und-schotter, die von mitteldiluvialen Sanden und Geschieben der Odenwaldbäche überdeckt werden, während die oberen aus jungdiluvialen Gebilden, vornehmlich dem Löss bestehen, die aber an vielen Stellen durch spätere Abspülung vollständig weggeschwemmt sind.Bergsträsser

¹ Schottler, Erläuterungen zur geol. Karte des Grossh. Hessen. Blatt Viernheim(Käfertal) S. 35.