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T. 1 (1908) Starkenburg
Entstehung
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klärt es sich, dass wir in einem Haufwerk von Granitbröckchen, dem Kies, abgerundete noch feste Gesteinsmassen finden, die ihrer Form nach alsWollsäcke bezeichnet werden. Viele derselben hat die abspülende Tätigkeit des Wassers entblösst, und sie ragen nun frei in die Lüfte, wie z. B. ein Block an der Ostseite des Auf- schlusses in der Nähe des Brunnens(siehe vorstehendes Bild).

Mehrere schöne noch in den gelbbraunen Kies eingebettete Blöcke findet man an der Westseite der Kraftsruhe in geringer Entfernung vom Kirchenweg.

Auf eine Eigentümlichkeit des Gesteins an der Ostseite des Aufschlusses sei noch aufmerksam gemacht. Hier sieht man an der Böschung gegenüber dem Brunnen eine dünne Schicht von eckigen, kantigen und platten Gesteinsstückchen, die wohl etwas angewittert sind, trotzdem aber nicht als Produkte der Verwitterung angesprochen werden können. Ihre Bildung wurde vielmehr ver- anlasst durch den Gebirgsdruck, wodurch Risse und Sprünge in der Granitmasse entstanden und Teile derselben aneinander ab- rutschten. Eine derartige Verschiebung in der gegenseitigen Lage der Gesteinsmassen nennt man Verwerfung und den Riss selbst Verwerfungsspalte.

Im Westen und Südwesten unserer Anhöhe wird auf dem meist mit Flugsand überdeckten Bessunger Feld das Verwitterungs- produkt des Hornblendegranits, das unter dem NamenDarm- städter Kies bekannt ist, in mehreren Gruben abgebaut und zum Eindecken von Garten- und Anlagewegen verwendet. Zu diesem Zweck wird er sogar weithin verschickt, und manchem Grundbesitzer erwächst daraus eine gute Einnahme.

Der Hornblendegranit, den wir in dem schönen Aufschluss an der Kraftsruhe näher kennen lernten, ist auch weiter nach Norden verbreitet und bildet hier zum grossen Teil den Untergrund der Stadt Darmstadt-Bessungen. Der höher gelegene, südliche und östliche Stadtteil ist auf diesem Granit erbaut, der nach Norden und Nordosten hin unter anderem Gestein verschwindet. Der westliche und nordwestliche Teil der Stadt dagegen steht auf diluvialen und darunter befindlichen tertiären und rotliegenden Sedimenten. Auch dieser Teil des Grund und Bodens bestand dereinst aus Granit. Wo ist derselbe hingekommen? Er sank in die Tiefe längs einer etwa von SSW nach NNO durch die Stadt gehenden Bruchlinie¹ mit den auf ihm liegenden Sedimenten.

1 Siehe: Geologische Karte des Grossherzogtums Hessen, Blatt Darmstadt.