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T. 1 (1908) Starkenburg
Entstehung
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Das Absinken geschah in der Tertiärzeit, als durch das Ein- brechen der Erdkruste zwischen Vogesen und Haardt einerseits, Schwarzwald und Odenwald andererseits längs grosser Ver- werfungsspalten die heutige oberrheinische Tiefebene geschaffen wurde. Unsere Bruchlinie ist ein Teil der am Rande der beiden letzteren Gebirge verlaufenden Spalte. Die diluvialen und tertiären Schichten sind durch gelegentliche Aufschlüsse, die man in der Nähe der Verwerfungslinie anlegte, bekannt geworden, so z. B. durch Brunnenbohrungen in den Werkstätten der früheren hessi- schen Ludwigsbahn und durch die Gruben im Ziegelbusch am Karlshof b. Darmstadt. An letzterer Lokalität finden sich jüngere Tertiärgebilde(Cerithien-, Corbicula- und Litorinellenkalk, sowie pliocäne Tone mit grossen Gipskristallen) nebst eingelagerten Quarzitblöcken direkt nördlich vom Granit; in den westlich ge- legenen Gruben dagegen stehen unter Flugsand Lehme, Tone und Sande des unteren Diluviums an. Im Stadtgebiet selbst wurden am Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf dem Grundstücke der Gebr. Becker in der Mauerstrasse durch ein 215 m tiefes Bohrloch diluviale und tertiäre Schichten durch- sunken; etwa 40 m östlich davon steht der Granit an, in dem ganz nahe an der Verwerfungslinie auf dem Gebiet der Brauerei zum Hanauerhof ein 20 m tiefer Brunnen abgeteuft wurde. Aus beiden Aufschlüssen lässt sich folgern, dass die Verwerfung zwischen dem Granit und den abgesunkenen Tertiärschichten hier senkrecht in die Tiefe geht.(Siehe Profil auf Seite 12.)

Innerhalb der Stadt sowie östlich und südlich von der- selben ist der Granit meistens von Flugsand in verschiedener Mächtigkeit bedeckt; wollsackähnliche Granitblöcke findet man nur noch vereinzelt in Darmstadt, so z. B. den Hinkelstein in der Altstadt. In früherer Zeit lagen sie an verschiedenen Stellen vielfach umher: am Ballonplatz, in der Stiftstrasse(Knaben- arbeitsanstalt), am Kapellplatz usw. Viele Bauten stehen ganz in Granitgrus, so die grossen Bierkeller an der Dieburgerstrasse, das Wasserreservoir, der Hochzeitsturm, die russische Kapelle und die Häuser der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, ferner die Ge- bäude des Herdwegs und seiner Umgebung, sowie schliesslich die Villenkolonie im Herdweg- oder Tintenviertel.

Durch die Granitmasse ziehen zahlreiche Schwerspat- oder Barytgänge in der Richtung von 8S0 nach NW., die seiner-

¹ Lepsius, Bohrloch der Gebr. Becker etc. Notizblatt des Vereins für Erdkunde etc. IV. Folge 11. Heft. Darmstadt 1890.