ich hoffe, daß den Direktor mit der Lehrerschaft bald die Bande gegenseitigen Vertrauens und wechselseitiger Unterstützung verbinden. Dann nur ist die Schule imstande, das zu erfüllen, was die Stadt und die Eltern von ihr erwarten, nämlich die ihr anvertraute Jugend zu arbeitsfreudigen und mit praktischem Sinne ausgerüsteten Männern zu erziehen.
Die Stellung des Direktors ist keine leichte. Unter allen Reibungsflächen, die sich für ihn ergeben, ist wohl die zwischen Schule und Haus die größte. Man hat allerlei Mittel angegeben, um diesen Uebelstand zu beseitigen, aber ein Allheilmittel hat man nicht gefunden, sodaß man wohl von einem latenten Kriegszustand zwischen Schule und Haus sprechen kann. Dies ist auch bis zu einem gewissen Grade natürlich und ist in der Liebe der Eltern zu ihren Kindern begründet. Aber auch die Eltern müssen ein- sehen, daß ohne Arbeit kein Lohn, ohne Mühe kein Preis sein wird. Wir vertrauen, daß Herr Direktor Dorfeld auch hier in das richtige Verhältnis zum Elternhaus kommen wird.
Möge die Arbeit des neuen Direktors an der neuen Schule eine gesegnete sein!
Sodann bestieg der Direktor das Rednerpult und hielt die Festrede, die wir in ihren Hauptgedanken wiedergeben.
Lautere Freude erfüllt an diesem bedeutungsvollen Tage unsere Herzen, und gerne gibt der Mund Ausdruck dem Gefühle, das uns jetzt überkommt, wo ein Teil der rasch angewachsenen Oberrealschule die beengenden Fesseln abstreift und in ein neues Heim einzieht, das kraftvoll und einfach, nicht schmucküberladen, mit seiner Fülle von Luft und Licht, mit seinen geräumigen und schönen Sälen den Bedürfnissen des Unterrichts und den Forderungen der Hygiene entspricht. Fürwahr es muß eine Lust sein, in einem so zweckmäßig eingerichteten Bau zu lehren und zu lernen.
Mit dem Gefühl heller Freude paart sich das lebhaften, innigen Dankes. Der erste Dank gilt Gott dem Allmächtigen, der bis jetzt segnend und schützend seine Hand über die Schule gehalten hat. Möge seine Vaterhand auch ferner gnädig ruhen auf diesem Hause und der Arbeit in ihm.
Ehrfurchtsvollen Dank spreche ich Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, dem warmherzigen Förderer von Kunst, Wissenschaft und Erziehung, für die Namensverleihung aus; Lehrer wie Schüler werden versuchen, sich würdig zu erweisen des großen Sohnes dieser Stadt, dessen Namen die Anstalt trägt.
Aufrichtigen Dank zolle ich Herrn Geheimerat Süffert, der die Ziele der Schule vorgezeichnet und mich in mein Amt eingeführt hat. Ich hoffe, daß auch bei der Durch- führung der Ziele die Hilfe der Staatsbehörde und sein und seiner Räte Wohlwollen uns nicht fehlen werden. Ich verspreche heute, wo ich zum erstenmal die Anstalt vertrete, alle Kräfte anzuspannen, um das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und die Schule so zu leiten, daß es Staat und Stadt zum Heil gereicht.
Besonderer Dank gebührt an diesem Tage der Stadt Darmstadt, die die Mittel zu diesem herrlichen Bau gespendet hat. Freudigen Dank dem Herrn Oberbürgermeister, dem Stadtbauamt, insbesondere dem Herrn Stadtbaurat Buxbaum, den Meistern, Gesellen
und Arbeitern, verbindlichen Dank allen Herren der städtischen Verwaltung für die be-
wiesene Fürsorge.
Dankbar begrüße ich die Vertreter geistlicher und weltlicher Behörden, die Vertreter aller Schulgattungen, die Vertreter der Presse, sowie die Eltern unsrer Schüler.
So sind Freude und Dank die Gefühle, die uns heute beherrschen. Aber dem Dank in Worten muß der Dank durch die Tat folgen. So erhebt sich die Frage, was wollen wir, welchem Ziele streben wir zu, denen dieser ansprechende Bau geschenkt wird. Er wird eine Oberrealschule aufnehmen, eine verhältnismäßig junge Schulgattung. In den preußischen Lehrplänen von 1882 finden wir zum erstenmal den Namen, in den neunziger Jahren entstehen Oberrealschulen in Baden, der erste Lehrplan ist von 1895, sie entstehen in Hessen, der erste Lehrplan ist von 1901, 1907 werden sie in Bayern, 1908 werden sie in Sachsen. errichtet. Bei dieser Neuheit darf es uns nicht auffallen, daß selbst in den Kreisen der Gebildeten, die ja diese Schulgattung aus eigner Erfahrung nicht kennen, irrige Ansichten über sie vorhanden sind, und sie nicht richtig gewürdigt wird. Als Schulen für den Mittelstand mit banausischem Nützlichkeitsbetrieb werden


