Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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einen Menschen zu verderben, oder überhaupt ihn zu schädigen. Ein Feind wird dem Tode geweiht, ein unerreichbarer Missetäter den Unterweltgöttern zur Rache überantwortet, indem sein Name auf ein Täfelchen aufgeschrieben, in das Reich des Todes, in ein Grab gebracht wird'. So wurden nach der Erzählung des Tacitus? Bleitafeln, in die der Name des Germanicus eingegraben war, ge- funden, und noch andere Zauberdinge, durch die man die Seelen den unterirdischen Mächten weihen zu können meinte. Auch Ovid' gedenkt dieses Namenszaubers, der allerdings an der ge- nannten Stelle in Verbindung mit einer anderen Art der Ver- nichtung auftritt: es wird ein Wachsbild angefertigt und in die Leber Nadeln gestochen“. Auch die Griechen glaubten, einen Menschen dadurch beseitigen zu können, dass sein Name auf ein Bleitäfelchen geschrieben und dann der Erde und damit zugleich den Göttern der Unterwelt überantwortet wurde?. Der Grieche und ebenso der Römer sieht in solchem Tun durchaus nicht etwa eine sündliche Handlung; das Wort für Gebet und Verwünschung ist für ihn ein und dasselbe(4 ⁰). Er erwartet von dem Gerech- tigkeitssinn der Gottheit, dass sie den, der ihm Böses getan, be- straft und scheut sich nicht, sie darum zu bittené und ihr, soweit er es vermag, bei der Vollziehung der Strafe behilflich zu sein?.

¹ Rh. M. XXXIII(1878) 2 f.; vgl. Fleckeisens Jahrbb. XXXII(1887) 661. Darum trinkt auch Theramenes(in dem auf S. 28 angeführten Beispiel) den Rest des Giftbechers nicht aus, obwohl er sagt: Das trinke ich dem Kr. zu, sondern er giesst ihn auf die Erde; durch ihre Vermittlung— sie ist ja das Bindeglied zwischen Ober- und Unterwelt— bringt er den Unterirdischen eine Spende; mit diesem Trankopfer sollen sie zugleich auch den zu sich ziehen, dessen Namen er in Verbindung mit der Spende genannt hat.

2ꝛ ann. II 69 reperiebantur solo ac parietibus erutae humanorum corpo-— rum reliquiae, carmina et devotiones et nomen Germanici plumbeis tabulis insculptum,.... aliaque malefica, quis ereditur animas numimibus infernis sacrari; vgl. Ruperti z. St.

s am. III 7, 29 f.: sagare punicea defixit nomina cera,

et medium tenues in iecur egit acus.

4 vgl. Grimm Myth. II 914; Andree N. F. S. 9.

5 R. Wünsch defix. tab. Berlin 1897(CIA III 3 app. p. IV; XXVIII; Nr. 57, 20; 100 a 8); vgl. desselb. Seth. Verfluchungstafeln Leipzig 1898; ders. Antite Fluchtafeln in Hans Lietzmann Kleine Terte für Vorlesgn. und Ubgn. Heft 20 2. Aufl. Bonn 1912; ferner die von A. Abt veröffentl. Bleitafeln: Archio f. Heel.-Wiss. XIV(1911) 143 ff.

8 Dieselbe Bitte übrigens auch oft in den Psalmen; z. B. 6, 11. 28, 4. 35, 4—s u. 26. 69, 23— 29. 109, 6 20. 140, 10. 143, 12.

7 vgl. Leop. Schmidt a. a. O. I 85— 92.