Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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heissen; er sei dann umgenannt worden, drιοσσο ιϑαρεοεπ Joν ormeεν. Auch der Philosoph Plato hiess nicht von An- fang an so, sondern zuerst wie sein Grossvater Aristokles; erst später erhielt er wegen seines gesunden, kräftigen Körpers den Namen Platon(d. h. der Breite, Stämmige; Diog. Laört. III 5). Derselbe Diogenes Laörtius erzählt(V 2, 6; vgl. Strabo XIII p. 618 C), Theophrast, der Lieblingsschüler des Aristoteles, habe diesen Namen von seinem Lehrer erhalten τ rij odeνς 9εmsoν, wegen der Wucht seines Ausdrucks; sein ursprünglicher Name sei Tyrtamas gewesen. In diesen Fällen wird die Entwick- lung doch wohl die sein, dass die zuerst nur als Beiname gegebene Bezeichnung allmählich den eigentlichen Namen verdrängte. Wer weiss, ob es sich nicht noch bei manchen anderen ebenso verhält, ohne dass wir es nachweisen können! Auch ein Name wie z. B. der des Dichters Terpander(d. h. der Männererfreuende) legt die Ver- mutung nahe, dass hier ähnliche Anderungen sich vollzogen haben (vgl. Angermann a. a. O. S. 23).

2.

Wir sahen(S. 23), dass gelegentlich ausländische Fürsten, wenn sie von einem Kaiser das römische Bürgerrecht erhielten, von da an dessen Namen neben dem ihrigen führten, und wir hatten dies als ein äusseres Zeichen dafür angesehen, dass sie ihre Abhängig- keit von jenem anerkannten. Einen ganz anderen Sinn aber hat es, wenn zwei Menschen ihre Namen tauschen. Dieser sinn- bildlichen Handlung liegt der Glaube zugrunde, dass mit dem Namen auch das Wesen, gleichsam die Person selbst getauscht wird, sie ist daher das Zeichen engster Freundschaft. Wer den Tausch vollzieht, sagt zu dem anderen dadurch dasselbe, was jener Myste zu der Gottheit spricht, deren denkbar innigste Vereinigung mit sich er ausdrücken will: Du bist ich und ich du; denn dein Name ist der meinige und der meinige der deinel. Der Brauch des Namenstausches ist bezeugt für die Südsee-Insulaner?, für die Be- wohner von Polynesien und bis nach Madagaskars. Natürlich kann solch ein Bündnis nur mit einem einzigen geschlossen werden, da es auch gänzliche Gemeinschaft aller Güter in sich schliesst“.

Kenyon Greex Papyri in the Brit. Mus. 1893 p. 117, 36: Gꝙꝓρ⁵⁴m 2νι eal 2y ods 10 odey dyoua 2ue zadl 16 2u⁶e dy xrl. und in einem Leidener Papyrus(bei Dieterich Abr. S. 196, 17): ⁵ ꝙ⁹ 20 2y³s zar 2p0ad.

² Georg Forster Ges. Schriften II 220. Tylor Urgesch. 160 f.

3 Andree 178. Ploss I 161.

¹ vgl. Zeitschr. f. Völkerpsychologie V(1868) 280.