Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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Gelegentlich hören wir ¹, dass ein fremder Fürst, der römisches Bürgerrecht erhielt, den Namen des Kaisers annahm, dem er die Verleihung des Bürgerrechts verdankte. Damit soll wohl weniger die Erhöhung seines Standes bezeichnet werden, als vielmehr das zum Ausdruck kommen, dass er sich gleichsam als ein Geschöpf dieses Kaisers betrachtet und daher auch denselben Namen an-„ nimmt, den jener führt. Er erkennt damit gewissermassen dessen Macht an, der er sich als römischer Bürger nunmehr unterwirft. Dahin gehört auch das aus der Bibel(z. B. Matth. 28, 19) bekannte Banrftsw elg rò ννοωια εον wörtlich: taufen in den Namen(hineip), wo vielleicht an die„Herstellung eines Verhältnisses persönlicher Abhängigkeit von dem Träger des Namens“ ² gedacht ist, falls nicht eine andere Auffassung der ursprünglich religiösen noch näher kommt(vgl. unten S. 38).

Aus einer ähnlichen Anschauung des Sich-Beugens unter eines anderen Gewalt hat sich möglicherweise auch die Sitte entwickelt, dass die Frau bei ihrer Verheiratung den Namen des Mannes an- nimmt. Als ältestes Beispiel, das mir bekannt ist, führe ich eine Stelle aus Aristoteles an(p. 1561 a 38 ff.; erhalten bei Ath. XIII 36 p. 576 A), die zwar nicht genau denselben, aber doch einen ganz entsprechenden Brauch erzählt. Wir hören da, dass Petta, die Tochter des Königs Nanus von Massalia, bei ihrer Vermählung mit Euxenos den Namen Aristoxena angenommen habe. Ihr neuer Name hat als zweiten Bestandteil denselben Stamm Esw-, den der Name ihres Mannes hat, während sein erster Teil dρσo- sogar die höchste Steigerung des sd ausdrückt, das sich in dem Namen des Euxenos findet. Man kann indes zweifeln, ob die Sitte sich nicht aus anderer Anschauung entwickelte: vielleicht sollte durch den gemeinsamen Namen die enge Verbindung zwischen Mann und Frau auch äusserlich zum Ausdruck kommens.

Endlich sei als letzte Gruppe eine Reihe von Umnamungen aufgeführt, die wieder anders aufzufassen sind.

Der Lexikograph Suidas berichtet, der Lyriker, den wir jetzt Stesichorus zu nennen pflegen, habe ursprünglich Tisias ge-

namung in der englischen Aristokratie beim Antritt von Pairswürden.— Die Namensänderung bei Besteigung des päpstlichen Stuhls und ihre Bedeutung 8. S. 25.

¹ vgl. Hermes X(1875) 400.

² vgl. Erwin Preuschen Handwörterb. zum Neuen Test. Giessen 1910 u. d. W. ëroua Sp. 807.

s vgl. ähnliches S. 24.