Aufsatz 
Die Einführung der Reformation in Hanau / vom außerordentl. Pfarrer und Reallehrer Julius Scheer
Entstehung
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das Interim üben und treiben ſollten: Der Herr Graf möchte ſich deshalb für ſich, ſeine Diener und Unterthanen lauter, richtig und unverdunkelt erklären und die Prediger, welche ſich dawider mit Worten, Schriften oder Predigten einließen, zum Abſtand und Gehorſam anhalten.

In dieſer ihrer Noth wandten ſich nun die Hanauer Befehlshaber an den Vormund der jungen Grafen, an Reinhard von Solms, der noch an demſelben Tage(9. Nov. 1548) von Frankfurt aus ant⸗ wortete und den Rath gab, dem Kaiſer zu Gefallen zu ſein.

Doch ſchon den 1. Nov. hatten die Befehlshaber, welche die Vorgänge in Süddeutſchland kannten, den Bürgermeiſter und Rath der Stadt Hanau unter die Linden vor das Schloß beſchieden und ihnen be⸗ fohlen, die Bürgerſchaft auf das Rathhaus zu fordern und ihnen einzuſchärfen, dem Interim gehorſamſt nachzuleben.

Als aber am 5. Nov. auch der Hanauer Geiſtlichkeit der Befehl bekannt gemacht wurde, das Interim anzunehmen, da brach der Sturm los, denn die größte Mehrzahl war dagegen, vor allem Enneobolus und ſein Caplan Bernhard Melmann, ein Schüler des Abts Lotich, der Jahrs zuvor, alſo 1547, nach Hanau gekommen war. Die Geiſtlichen, die ſich gegen das Interim erklärten, baten nun um einen Monat Be⸗ denkzeit, weil ſie über das Interim noch nicht recht unterrichtet ſeien, um ſich zuvor unterreden und ſich zu einer ſchriftlichen Antwort vergleichen zu können, die ſie Kaiſerlicher Majeſtät zuſchicken wollten, in der Hoffnung, daß ein gutes Wort Berückſichtigung finden würde.

Nachdem den Predigern eine Friſt von 14 Tagen bewilligt worden war, ſo traten ſie, da ſie durch⸗ aus keine Zeit zu verlieren hatten, ſogleich unter dem Vorſitz des Enneobolus zuſammen, wo ſie den Ent⸗ ſchluß faßten, das Interim abzulehnen:Da es mit der evangeliſchen Wahrheit ſtreite und mit derſelben nicht beſtehen könne. Genau 14 Tage ſpäter, alſo am 19. Nov. 1548 ſtellten ſie dem Oberamtmann ihre Gegenſchrift zu, zugleich mit der Bitte, ſie ihrem gnädigen Herrn nach Steinau zuzuſchicken.

Enneobolus beſchwert ſich aber dabei noch in einem beſonderen Schreiben, das er beilegte, wie ſie ſeit der Publication des Interims von den Papiſten ſehr geſchmähet würden, die laut ausſprächen:ſie ſeien nicht werth, bei ihnen in einer Kirche zu ſein.

Einen Tag ſpäter, als die Prediger in Hanau ihre Ablehnungsſchrift eingereicht hatten, ſchrieb Graf Philipp III. von Steinau aus an den Kaiſer, und zwar in einer Weiſe, daß derſelbe wohl zufrieden ſein konnte. Die hierauf bezügliche Stelle lautet:*)

Daß ich daraus angezogene Ew. Kaiſerlichen Majeſtät Befehle und gegebene Ordnung allenthalben in meines Bruders und meiner Grafſchaft und Herrſchaft Hanau allen unſeren darin geſeſſenen Unter⸗ thanen und Verwandten, geiſtlichen und weltlichen, mit allem Fleiß hab' verkünden und zum ernſtlichen gebieten laſſen, ſich ſolcher Erklärung und Ordnung gemäß und gleichförmig zu halten, und denſelbigen bei ungnädiger Straf Vollziehung zu thun; ſo viel dann meine perſon anlangt, ſo bin ich angezogener Er⸗ klärung und Ordnung als ein gehorſamer Graf zu leben und derſelben in aller Unterthänigkeit nachzuſtehen auch gutwillig.

Der Graf ſpricht dann am Schluſſe ſeines Briefes noch die Bitte aus, daß der Kaiſer dieſe ſeine unterthänigſte Antwort in Kaiſerlichen Gnaden annehmen und ihm ſein allergnädigſter Herr und Kaiſer ſein und bleiben wolle.

Datum: Dienſtag nach Eliſabeth, den 20. Nov. a. 48.

*) Bernhard manusc. pag. 53.