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er ſich auch an die Reformation ſeines Kloſters, eine That, die er aus Rückſichten gegen ſeinen Biſchof in Würzburg möglichſt lange hinausgeſchoben hatte.
Wie vorſichtig er ſich überhaupt benahm, um keinen Auſtoß zu erregen, geht auch aus ſeinem Ver⸗ hältniſſe zu Enneobolus hervor. Mit dieſem ſtand Lotich in lebhaftem Briefwechſel, da er noch als Prie⸗ ſter, ehe er Abt geworden war, ſich um die Freundſchaft des damals ſchon berühmten Mannes beworben hatte. Doch vom Jahre 1536 an trat in dieſem freundſchaftlichen Verhältniſſe eine Spannung ein, die ſich ſogar bis zur offenen Feindſchaft ſteigerte. In dieſem Jahre hatte nemlich Enneobolus an Lotich mehrere für ihn gekaufte Bücher geſchickt, welcher Sendung er ein Begleitſchreiben beifügte, deſſen letzte Worte lauteten: brevior sum, nam periculum facio, aliquos timere, ne meis literis te quasi contagiosis inficiam. Sei es nun, daß Lotich ſich dadurch beleidigt fühlte, oder daß er glaubte, ein zu enger Verkehr mit Enneobolus könne ihm ſchaden, weil man ſonſt annehmen müßte, daß er mit ihm in der Lehre einig ſei, genug, er vermied von der Zeit an allen Umgang mit Enneobolus. Indeſſen ſchmerzte es dieſen nicht wenig, daß derjenige, der vorher ſeine Freundſchaft geſucht und einige Jahre unterhalten hatte, ihn ſeiner Meinung nach ſo verächtlich hielte. Endlich aber brach ſein Unwillen offen hervor. Der Abt war 1542 in Hanau und gieng aus„Curioſität und einem aus Würzburg zu Gefallen, den er bei ſich hatte“*) in des Enneobolus Predigt, in der er gerade die Meſſe widerlegte und das, weil er wußte, daß er den Abt zum Zuhörer hatte, mit eifrigen und ſcharfen Worten. Sobald Lotich nun die Kirche verlaſſen hatte, redete er nicht blos lebhaft dagegen, ſondern ſprach auch zu den Hofleuten,„die ihn tractirten“, ziemlich verächtlich von ihm. Als dieſes ſehr bald dem Enneobolus hinterbracht war, da konnte er ſich nicht länger halten, ſeinen Unwillen gegen den Abt an den Tag zu legen. Er beſchwerte ſich nicht blos ſchrift⸗ lich bei ſeinen guten Freunden, unter anderen auch bei Joh. Gaſſian, Prediger zu Steinau, der dem Abte dann wieder davon Mittheilung machte, ſondern er ſchrieb auch einen herben Brief an den Abt ſelber, wodurch der offene Bruch zwiſchen ihnen herbeigeführt wurde. Dieſe Feindſchaft zwiſchen den beiden hervorragenden Männern würde nun der Sache der Reformation ſehr geſchadet haben, wenn nicht auf einmal der Abt Lotich noch in demſelben Jahre 1542 mit freier Zuſtimmung aller ſeiner Conventualen die Reformation ſeines Kloſters angefangen und 1543 durchgeführt hätte. Auf die Nachricht davon ſchrieb Enneobolus ſogleich ein Gratulationsſchreiben an den Abt, das dieſer erwiderte, wonach denn bald wieder ein herzliches Einvernehmen zwiſchen den beiden Männern hergeſtellt wurde, was zur Folge hatte, daß Lotich und Enneobolus in ſpäterer Zeit wieder in der freundſchaftlichſten Weiſe brieflich wie perſönlich mit einander verkehrten.
Somit war alſo die Reformation in der ganzen Grafſchaft Hanau freudig und bereitwillig aufge⸗ nommen worden, als ein Ereignis eintrat, welches den Beſtand der Reformation wie für ganz Deutſch⸗ land, ſo auch für unſere Grafſchaft in Frage ſtellte. Der deutſche Kaiſer Karl V. hatte nemlich den Kampf mit den Proteſtanten aufgenommen, nachdem er den Markgrafen Hans v. Küſtrin und den Herzog Erich v. Braunſchweig⸗Calenberg, vor allem aber den Herzog Moritz v. Sachſen durch Ausſicht auf die ſächſiſche Kurwürde gewonnen hatte. Die Schlacht bei Mühlberg(24. Apr. 1547) entſchied für den Kaiſer, denn der Kurf. Joh. Friedrich v. Sachſen wurde geſchlagen und gefangen. Auch der Landgraf v. Heſſen, zu ohnmächtig zum Widerſtande gegen den ſiegreichen Kaiſer, ergab ſich auf Gnade und Ungnade und wurde, wie auch der Kurfürſt v. Sachſen, vom Kaiſer in der Gefangenſchaft gehalten. Zum Glück
*) Bernh. manusc. pag. 49.


