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die inneren Streitigkeiten und Verwirrungen, die nun einriſſen. Auf der einen Seite„wollte das Pabſt⸗ thum nichts mehr gelten“, und auf der anderen war doch niemand da, der das Evangelium vom Reiche Gottes hätte rein und lauter lehren können. Selbſt der Abt klagt in demüthiger Beſcheidenheit über ſeine eigene mangelhafte Bildung, daß er in ſeinem Kloſter nicht ſtudiert hätte, denn„es war der Brauch nicht!“ Aber Gott, unſer Herr, gab Gnade, fährt Lotich in ſeiner Schilderung fort, und kamen täglich viel gute Bücher an Tag durch Lutherum, Melanchthonem und„andere mehr“, alſo, daß ich deſſen baß beſtehen konnte.
Es bekennt alſo Lotich mit dieſen Worten, daß er ſich durch die Schriften der ſächſiſchen Reforma⸗ toren weiter gebildet und ſich dadurch in den Geiſt der Reformation hineingearbeitet hat, denn die Worte: „und andere mehr“ gehen eher auf lutheriſche Verfaſſer mit unbekannteren Namen, als auf Männer wie Zwingli, Calvin ꝛc., deren Namen er wenigſtens nicht würde verſchwiegen haben, wenn er deren Werke mit innerer Zuſtimmung geleſen hätte.. 4
Um dieſe Zeit ſtarben dann an einer verheerenden Krankheit alle Conventualen weg, bis auf zwei, nemlich bis auf Lotich, der zugleich Pfarrherr zu Schlüchtern war, und noch einen mit Namen Wolf⸗ gang; außerdem war noch im Kloſter ein„armer, unnützer Mönch“, Johaun Binth von Windecken. Zuletzt ſtarb dann, wie Lotich ſchreibt, im März 1534 der„alte fromme Herr, Abbas Chriſtianus“, und nach deſſen Tode wurde Peter Lotich zum Abte verordnet, deſſen Sorge und Bekümmernis nun jetzt erſt recht anfieng. Denn es waren die Conventualen alle vergangen oder verſtorben, ſo daß Lotich nicht ein⸗ mal jemanden hatte, den er zum Pfarrherrn in Schlüchtern an ſeiner Statt verordnen konnte, da ſich niemand in das Kloſterleben einlaſſen wollte. Doch Lotich, jung und unverdroſſen, predigte ſelbſt und half überall aus, wo es Noth that.
Obwohl nun niemand deutlicher fühlte, als Lotich ſelber, daß die kirchlichen Zuſtände des Kloſters unhaltbar geworden waren, ſo iſt es doch ein Act politiſcher Klugheit zu nennen, daß er nicht ſogleich an die Reformation ſeines Kloſters dachte, ſondern vielmehr für die Erhaltung und den Beſtand desſelben beſorgt war. Bald füllten ſich denn auch wieder die leeren Zellen mit ſolchen, die ſich durch den Ruf des Kloſters Schlüchtern und ſeines Abtes angezogen fühlten, wenngleich die meiſten wieder ſolche waren, die auch den billigſten Anforderungen nicht entſprachen, die man an ſie als Diener Jeſu Chriſti und ſeiner Kirche doch ſtellen mußte. Er faßte daher den Entſchluß, ſich erſt Werkzeuge ſeiner Reformation, die er feſt im Auge hatte, heranzubilden und zunächſt eine Schule in ſeinem Kloſter zu gründen, in welcher er ſich erſt junge Leute erziehen wollte, mit deren Hülfe er dann die Reformation ſeines Kloſters und der ganzen Obergrafſchaft Hanau ins Werk zu ſetzen und auszuführen gedachte.
Um dieſes Vorhaben auszuführen, ſchrieb der Abt 1539 an die Befehlshaber zu Hanau und machte ihnen bekannt, wie er willens ſei,„eine gute Schule und studium theologiae in ſeinem Kloſter anzulegen,“ indem er zugleich bat, ihm die Genehmigung der Herrn Vormünder dazu auszuwirken, worauf denn Samſtag nach dem neuen Jahre 1540*) die Antwort erfolgte, daß man ihm zu dieſem ſeinem Vorhaben die Ratification ertheile und ihm darin beförderlich ſein würde. Er möchte nur über die„Art und Weiſe der vorhabenden Reformation“ ſeinen weiteren Bericht erſtatten.
Nachdem daraufhin Lotich eine Schule, die bald zu hohem Ruhme gelangte, gegründet hatte, wagte
*) Bram. pag. 21.


