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Philipp um ſo mehr zur Ehre, als gerade die damalige Zeit, nach der Schlacht bei Mühlberg und vor dem Augsb. Interim für den Uebertritt eines deutſchen Fürſten zur evangeliſchen Religion nicht günſtig war, woraus zu ſchließen iſt, daß der Uebertritt nicht aus äußeren Rückſichten erfolgte, ſondern daß der Graf durch ſeine innere Ueberzeugung dazu getrieben wurde.
Durch dieſen berühmten Abt Peter Lotich erſolgte ſowohl die Reformation des Kloſters Schlüch⸗ tern als auch der ganzen oberen Grafſchaft Hanau⸗Münzenberg. Herr Pfr. Rullmann, gegenwärtig zu Keſſelſtadt bei Hanau, ſchreibt in ſeiner„Geſchichte der Reformation*) des Kloſters zu Schlüchtern“, wie aus dem handſchriftlichen Werke des Petrus Lotichius, Abts zu Schlüchtern, hervorgeht, folgendes: „Die Umwandlung des katholiſchen Cultus und Dogmas gieng in dem Kloſter Schlüchtern und den dazu gehörigen Pfarreien in reformirte(2) Kirche und Lehre ganz allmählig vor ſich und machte ſich, ſo zu ſagen, ganz von ſelbſt. Keine Gewalt wurde angewandt, kein Widerſtand war zu überwinden. Was ſich überlebt hatte, verfiel, und die ewigen Wahrheiten des Evangeliums traten, alles unnützen Gepränges entkleidet, in zeitgemäßen Formen ins Leben ein.“
Doch ſo leicht und einfach, als es wohl auf den erſten Blick ſcheinen möchte, machte ſich die Sache doch nicht, wie aus dem Berichte von Peter Lotich ſelber hervorgeht. Derſelbe erzählt, daß er, geboren zu Niederzell bei Schlüchtern, im Januar 1517 als Jüngling von 16 Jahren in das Kloſter vom Orden Sanct Benedicti zu Schlüchtern gekommen ſei, das zum Sprengel des Biſchofs von Würz⸗ burg gehörte. Das Kloſterleben zur Zeit ſeines Eintrittes ſchildert er nun durchaus nicht in roſigem Lichte. Unter dem Abte ſtanden 11 Conventuales, alle Prieſter, deren Amt war, täglich viel Meſſe zu halten.„Singen und Leſen wurde nun durchaus nicht verſäumt, allein von einem Studieren, von Lehrern oder Schülern wußte man zu der Zeit nichts zu ſagen“. Von dieſer Zeit fing Lutherus an zu ſchreiben, denn es war auch hoch von nöthen, weil die drei Hauptlaſter im Pabſtthum durch alle Stifter nnd Klöſter überhand genommen hatten:„Lügen und Abgötterei, Unzucht, Müßiggang und Völlerei“, daß es nicht länger beſtehen konnte.“
Aus dieſen Worten Lotichs folgt dann, daß er Luthers öffentliches Auftreten freudig begrüßte, weil er dadurch eine Beſſerung des chriſtlichen Lebens erwartete. Wenn er nun auch mit Luther ſelbſt nicht in perſönlichen Briefwechſel trat, ſo unterhielt er doch mit Melanchthon eine rege Correſpondenz**) und blieb in ſteter Verbindung mit ihm, wodurch er ſeine innere Zuſammengehörigkeit mit der ſächſiſchen (lutheriſchen) und nicht mit der ſchweizeriſch⸗reformirten Confeſſion beweiſt. Nachdem Lotich 1523 zum Prieſter ordinirt war, ſah er 1525 eine verhängnisvolle Zeit über Schlüchtern hereinbrechen, da der Bauernkrieg ſeine verheerenden Spuren auch bis dorthin trug. Der Abt Chriſtian(Happ aus Win⸗ decken) floh mit ſeinen Conventualen aus dem Kloſter, da er ſich darin vor der Wuth der Bauern nicht hinlänglich geſchützt glaubte. Doch Graf Philipp II. von Hanau, der eine Beſatzung in das Kloſter gelegt hatte, ſchützte es vor Plünderung und Zerſtörung durch die Bauern und überlieferte es unverſehrt deſſen Abte.
Kaum war nun dieſe Gefahr von dem Kloſter abgewendet, da drohte ihm eine noch größere durch
*) Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte und Landeskunde. 9. Band. Pag. 291.
**) Buchonia, Zeitſchrift für vaterländiſche Geſchichte. 4. Band. Fulda 1829. Pag. 110. Der Abt ſchickte 1542 den Siegfried Hettenus(ſeinen ſpäteren Nachfolger) und Nicolaus Lotz nach Wittenberg(auf die Univerſität) und empfahl ſie dem Melanchthon.


