Aufsatz 
Die Einführung der Reformation in Hanau / vom außerordentl. Pfarrer und Reallehrer Julius Scheer
Entstehung
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Reformators, weshalb auch der Kurfürſt Albrecht von Mainz ſofort an Philipp II. folgenden Brief

-rrieb*):

ih Unſern gruß zuvor. Wohlgeborener lieber getreuwer. Uns langt glaublich an, wie du einen pfarher bey dir zu Hanawe haben und geſtatten ſolleſt, der ſich der luther. ſect und lare täglich uff der Cantzeln öffentlich geprauche. Mit Unverſchampter anzeigung als ob ſele und andere meſſen nyemants zu gutem komme, auch nyemant zu beichten, faſten, oder heiligen Tag zu vyhren verpflicht ſeyen, allein Menſchengeſetze, nymandt bindendt. Dergleichen Walfart thun, Kertzen brennen, und andere eyſſerliche werk bringens kein nutzs oder guts und da durch dann das arme einfaltig gemeine Volk ſo hauffendt und mit der menige zulauffen ſoll, in unweſen und von der ordnung unſers glaubens. Und der heiligen chriſtlichen Kirche zu verletzung ſeiner ſelen heyll gefärdt wirdet, welches nit allein erſchrockenlich zu hören, ſondern noch beſchwerlicher das alſo zu geſtatten und zu dern unchriſtlichen Weſen urſach zu geben. iſt demnach unſer gnedigs begern, du wolleſt dem vermelten pfarher lenger zu predigen nicht geſtatten. Gegeben Mittwoch nach Sonntag Invocavit 1524.

Schon Freitag nach dem Sonntag Reminiscere 1524 antwortet der Graf Philipp II.**) gebe auf E. K. G.(Ew. Kurf. Gnaden) Schrift in aller unterthenigkeit zu erkennen, daß ich vor eym halben Jahr ungenerlich eines pfarhers zu Hanawe notturfftig geweſt und mich umb ein geſchickte ge⸗ lerte perſon zu Mentz, Heydelberg und anderswo umbgethan, alſo haben mir die doctores der heiligen Schrift zu Heydelberg ein perſon her gen Hanawe geſchickt, ſein Wandel Leben und lär dermaſſ be⸗ rumbt und gefordert, das Ich Im mit der pfar zu Hanawe verſehen und preſentiert habe: Welcher ſich bis anher fromlich, züchtig und erbarlich gehalten und das heilige Evangelium mit vielem Fleiß ge⸗ predigt aber darin luthers nye zu nennen gedacht, alſo das alle Zuhörer faſt einen gutten gefallen und gnügen an Im gehabt.

Graf Philipp ſchreibt in dieſem Briefe dann weiter, daß er nie etwas gegen päpſtliche Heiligkeit noch Kaiſerliche Majeſtät Mandat, wie ſolches des Luthers Sachen halber ausgegangen und ihm ver⸗ kündigt ſei, thun werde, weil aber ſein Pfarher mit Unrecht beſchuldigt ſei, keines Luthers nimmer ge⸗ denket, ſo bittet er, daß der Kurfürſt dem angezeigten Antrage wider den Pfarrer keinen Glauben ſchenken möge. Er ſtellt dann ſeine nahe Ankunft in dem Stifte Mainz in Ausſicht, wo es ſich dann herausſtellen würde, daß die Sache ſich ganz anders verhalte, als angetragen ſei.

Auswendig ſteht auf dem Papier:

Schreiben Meiſter Adolfum, den Pfarher zu Hanawe belangend und Antwort darauf, eine Be⸗ merkung, die jedenfalls von ſpäterer Hand herrührt und dieſen Geiſtlichen nach dem Vorgange von Chriſtoph Göbel(vergleiche ſeinen Auszug aus ſeiner im Jahre 1594 aufgeſtellten Vertheidigungsſchrift; Bram. Beilage Lit. C.) u. Georg Fabricius mit Vornamen Adolf bezeichnet, während er ſich ſelbſt Arnold nennt, wie aus ſeinem Revers hervorgeht, der alſo lautet:***) 3

Ich Arnoldus Arbogaſti von Straßburg, Prieſter der Sanct Marien Magdalenen Kirche in Hanawe,Mainzer Diöceſe, ſchwere....(hier folgt die ganze Formel, wie ſie von Graf Reinhard behufs der Verpflichtung der Prieſter in lateiniſcher und deutſcher Sprache aufgeſetzt war).

*) Bram. Beilagen, Lit. A. **) Bram., Beilagen, Lit. B. ***) Bernh. manusc. pag. 46.