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ſchaft weſentliche Vortheile verſchafft hatte“, endete 1523, in welchem Jahre Philipp II. die Regierung ſelbſt antrat, und bald darauf ſich mit Juliane, Gräfin zu Stolberg, vermählte.
Graf Philipp II. war nach ſeinem Regierungsantritte vor allem darauf bedacht, das Leben ſeiner Geiſtlichen zu beſſern, da ſie durch unwürdige ungeiſtliche Aufführung Anſtoß und Aergernis genug erregten. 8
Am 23. September 1523*) ließ er deshalb alle Geiſtlichen aus Stadt und Land vor ſich kommen und ermahnte ſie, ſich nicht ſowohl mit weltlichen Dingen, als mit dem Studium des Cöttlichen zu beſchäftigen, da niemand zweien Herren dienen könne. Ferner befahl er ihnen, an den Feiertagen ſich der Mäßigkeit zu befleißigen und ſich insbeſondere des Weingenuſſes zu enthalten, weil es doch zu ſehr Anſtoß errege, wenn Geiſtlichen dergleichen nachgeſagt werde. Endlich dringt er noch darauf, daß der Geiſtliche, der zu predigen habe, den Tag vorher von allen anderen Geſchäften befreit werde, damit er Zeit habe, ſich auf die Predigt des göttlichen Wortes vorzubereiten.
Die Geiſtlichen, welche dieſe Forderungen als billig und gerecht anerkannten, verſprachen dann auch, dem nachzukommen und demgemäß zu leben.
Doch ſchon vorher hatte der Graf Philipp II. Schritte gethan, einen tüchtigen Geiſtlichen von auswärts nach Hanau zu berufen und ſich deshalb nach Mainz und Heidelberg mit der Bitte gewandt, ihm einen tüchtigen Geiſtlichen zu empfehlen. Von Heidelberg aus war ihm dann Arnold Arbogaſt (fälſchlich oft„Adolf“ Arbogaſt genannt), ſeines ſittlichen Verhaltens und ſeines guten Lebenswandels wegen ſehr gerühmt worden, den er daher nach Hanau berief, woſelbſt derſelbe am 24. September 1523, alſo einen Tag ſpäter, als Philipp II. ſeine ganze Kleriſei hatte vor ſich kommen laſſen, zum Meß⸗ prieſter beſtellt wurde. Daß Arnold Arbogaſt aus Straßburg im Jahre 1523 nach Hanau gekommen iſt, iſt nun ſofort als Beweis dafar aufgegriffen worden, daß derſelbe von Capito und Bueer, die doch ſelbſt erſt 1523 nach Straßburg kamen, nach Hanau geſchickt worden ſei, um hier die Reformation natürlich die reformirte Lehre, einzuführen. So ſchreibt auch Friedr. Brammerell in ſeiner Geſchichte von der Kirchenreformation in der Grafſchaft Hanau⸗Münzenberg auf Seite 4:„Von gedachter Stadt Straßburg hat ſich ſofort, wie unten mit mehrerem dargethan werden wird, die daſelbſt in Uebung ge⸗ weſene Schweizeriſche Confeſſion oder der Lehrbegriff Ulrichs Zwinglius, durch göttliche Fügung in der Grafſchaft Hanau⸗Münzenberg ausgebreitet.
Doch dieſe Annahme iſt ganz haltlos, denn unzweiſelhaft ſteht feſt, daß Arnold Arbogaſt vom Grafen Philipp II., der bis zu ſeinem Tode der katholiſchen Kirche treu blieb, nur als„gut katholi⸗ ſcher“ Meßprieſter und nicht als Reformator nach Hanau gerufen war.
Da Arnold Arbogaſt aber, der als ein ſittlich ernſter Mann die Mißbräuche und Mißſtände ſeiner katholiſchen Kirche ſchmerzlich empfinden mußte, den Unwillen des Grafen Philipp II. über das ärger⸗ liche Leben der katholiſchen Geiſtlichkeit und deſſen Streben, ſolches abzuſtellen, wohl kannte, ſo dürfen wir überzeugt ſein, daß der damals in der Kirche eingeriſſene Unfug an Arbogaſt einen eifrigen Wider⸗ ſacher finden mußte.
Dieſes brachte ihn natürlich bei ſeiner vorgeſetzten geiſtlichen Behörde, dem Erzbiſchofe von Mainz, der ängſtlich alle Anzeigen einer reformatoriſchen Bewegung überwachte, ſogleich in den Verdacht eines
*) Bernhard manusc. pag. 30.


