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zu der ihr übergeordneten Universität einnahm, liefert die im Gymnasial-Programm von 1868 veröffentlichte Geschichte des akademischen Pädagogiums, welche Dr. Christian Koch, ein Mann, der 30 Jahre lang Lehrer an dieser Anstalt und später geraume Zeit hindurch Professor an der Universität war, verfasst hat. Aus dieser Schrift wird man sich am besten überzeugen, welch' eine Wohlthat es war, als Seine Königl. Hoheit, Kurprinz und Mitregent Friedrich Wilhelm auf den Rath seines Ministers Hassenpflug im J. 1833 das bisherige akademische Pädagogium in ein selbständiges Gymnasium umwandelte.
Durch vorstehende Bemerkungen hoffe ich es gerechtfertigt zu haben, wenn ich schon nach 50 Jahren eine Chronik des Gymnasiums veröffentliche. Sie wird ausser einer Einleitung, welche von der Umwandlung des Pädagogiums handelt, in drei Abschnitte zerfallen. Der erste erzählt von den Begebenheiten der Jahre 1833— 1850, einer Zeit, als Director Vilmar die Anunstalt leitete. Der zweite berichtet die Begebenheiten aus den Jahren 1850— 1868 d. h. bis zur Uebersiedelung des Gymnasiums auf eignen Grund und Boden. Der dritte erzählt die Ereignisse von 1868 an bis zur Gegenwart. Die Ein- leitung, welche bereits im Programm von 1868 mitgetheilt war, ist unverändert wieder abgedruckt worden. Der erste und zweite Abschnitt sind zwar ihrem Hauptinhalt nach ebenfalls bereits in jenem Programm veröffentlicht worden; sie haben aber eine bedeutende Umarbeitung erfahren. Der dritte Abschnitt erscheint hier zum ersten Mal. Wenn in den beiden letzten Abschnitten fast nur von äusseren Begebenheiten des Gymnasiums berichtet wird, so wolle der geneigte Leser das damit entschuldigen, dass in einer Zeit, in welcher die meisten der erwähnten Persönlichkeiten noch leben, öffentliche Mittheilungen über die innere Geschichte der Anstalt noch nicht gegeben werden können.
Einleitung. Die Umwandlung des akademischen Pädagogiums in ein selbständiges Gymnasium.
Aus der Geschichte des hiesigen akademischen Pädagogiums, welche von Professor Dr. Christian Koch verfasst und in dem Programm des hiesigen Gymnasiums von 1868 veröffentlicht worden ist, geht zur Genüge hervor, dass diese Anstalt, welche bis zu den Zeiten des dreissigjährigen Krieges in erfreulicher Blüthe stand und später wenigstens zu manchen Zeiten tüchtige Leistungen aufweisen konnte, seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ihrer Bestimmung immer weniger entsprach und im 19. Jahrhundert— trotz einiger Versuche sie zu heben— um ihrer gedrückten Stellung willen keinen ge- deihlichen Aufschwung nehmen konnte. Unter den mancherlei Hemmnissen war das bedeutendste, dass eine einheitliche und unmittelbare Leitung gänzlich fehlte. Die Anstalt stand nämlich unter dem sogenannten Collegium Scholarcharum, welches durch den


