Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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in lateinischem Geweand

3. Bartholomaeus Holzhauser ¹).

(Vita venerabilis servi Dei Bartholomaei Holtzhauser. Cum facultate superiorum. Ingolstadii 1723. S. 1 ff. und S. 110 ff.)

Jugendzeit und erster Unterricht.

OQuo tempore Romanae ecclesiae clavum moderabatur ²) supremus Christi in terris vicarius ³) Paulus, huius nominis quintus, Romanum autem imperium regebat augustissimus imperator Matthias, primam vitae lucem nactus est Bartholomaeus in Suevia⁴), Germaniae provincia, et eiusdem exili?) pago Laugnau dicto, quod tunc temporis clientare praedium) erat sacri Rom. imp. comitum Fuggerorum, paucis milliaribus distans ab inclyta civitate Augusta Vindelicorum, anno a Christo incunabilis*) mil- lesimo sescentesimo decimo tertio. Incidit haec felix nativitas circa festam lucem) divo apostolo Bartholomaeo sacram, unde etiam in sacro baptismi flumine nomen assumpsit. Patri nomen erat Leonardo Holtzhauser, matri vero Catharinae. Si fortunae bona et conditionem spectes, erant pauperes uterque, quippe pater sutoriam⁰) exercebat, mater vero labore manuum vivebat; si vero virtutem et vitae christianae splendorem, qua lucebat uterque, divites et locupletes penes Deum. Pauperem familiam artis suae opificiae ¹⁰) sustentabat Leonardus summa animi integritate et conscientiae candore ¹¹), unde singulari aestimatione

Barth. Holzhauser. ¹) Vgl. Jos. May. Bartholomäus Holzhauser, Pfarrer und Dekan von Bingen. Bingen 1915. 4A55. 14. Als im Gefolge des Dreifiig- jährigen Krieges religiöse Verwilderung, Sittenlosigkeit und Aberglaube über das deutsche Volk wie nie zuvor hereinbrachen, wovon auch der Weltklerus nicht ganz verschont blieb, da hatte Bingen das Glück, einen ausgezeichneten Seelsorger an seiner Spitze zu sehen. Es war dies Bartholomäus Holzhauser (1613 1658). In Laugna bei Augsburg in dürftigen Verhältnissen geboren, setzte er trotz Not und Entbehrung mit bewunderungswürdiger Ausdauer das Theologiestudium durch. Seine erste seelsorgerische Tätigkeit begann er in Ingolstadt. Er wollte seine Wirksamkeit über ganz Deutschland ausdehnen. besonders nachdem ihn Gott vieler Visionen gewürdigt hatte. Für den gott- begeisterten Priester galt es, vom Priesterstand alles zu entfernen, was sei- nem vorbildlichen Handel hinderlich sein könnte; deshalb verlangte er, daf die Weltpriester in eine Genossenschaft gemeinsamen Lebens treten und durch brüderliches, einträchtiges und heiligmäftiges Zusammenleben sich für ihren hohen Beruf heiligen und allen Gläubigen ein leuchtendes Beispiel geben sollten. Nachdem er an verschiedenen Orten segensreich gewirkt und mancherorts das Institut der in Gemeinschaft lebenden Weltpriester ins Leben gerufen hatte, kam er auf Veranlassung des Mainzer Kurfürsten Johann Phi- lipp von Schönborn 1655 nach Bingen. Auch hier gab er sich mit allem Eifer der Seelsorge hin und widmete sein Augenmerk der Jugenderziehung; mit Hilfe seiner Genossen eröffnete er eine Lateinschule, die Vorläuferin unseres heutigen Gymnasiums. Seinem Wirken in Bingen war leider nur eine kurze Dauer beschieden; nach dreijährigem Wirken starb er. Seine Leiche ward im Barbarabau unter erhebenden Trauerfeierlichkeiten beigesetzt und sein Grab ist bis heute Gegenstand frommer Verehrung. Es sind Bestrebungen im Gang, daf die Kirche diese seeleneifrige und makellose Priestergestalt in die Zahl der Seligen und Heiligen aufnehmen möge.*) clavum moderari= Steuerruder führen.) vicarius= Stellvertreter. ³) Suevia= Schwaben. ) exilis= arm, diirftig.) praedium clientare= Lehensgut.) incunabula. orum= Windeln, Wiege, Geburt.) lux festa= Festtag; 24. August.) suto- ria f= Schuhmacherei. ¹⁰) ars opificia= Handwerk. ¹¹) candor conscientiae RKeinheit des Gewissens, Lauterkeit des Herzens.