in lateinischem Gewand 17
feupertus und Bertas Hinscheiden, Schicesale ihrer Begrãbnisstätten
... B. Robertus, cum in intentione devotionis ⁴⁴), quam Deo voverat, esset, quatenus eam compleret, magnis febribus infirmari coepit. In qua infirmitate senex, quem dudum in somnis viderat, ei apparuit dicens:„Ego antiquus dierum, qui Danili in visu noc- tis apparui, sum; et nunc etiam me tibi manifesto teque ad gloriam infinitae beatitudinis voco; quoniam per pomerium, quod tibi olim in visu demonstravi, bona et sancta opera, quae modo complesti, veraciter praemonstravi“. OQui ut de somno evigilavit, tristitia et timore perterritus, quia libenter complesset, quod Deo in deside- riis suis voverat, matri suae, quae viderat, indicavit. Sed illa pro- tinus maximo moerore percussa, quantos gemitus quantosque luctus his auditis ediderit, a quolibet simile passo animadverti potest. Itaque cum beatus iste per triginta dies in praefata infir- mitate laborasset, vicesimo aetatis suae anno Deus eum in bona confessione et in Dei timore de hac vita tulit, ne si ad perfectam aetatem perveniret, post vias patris sui incederet; quia qui omnia novit, sic illi expedire ⁴⁶) praescivit. Deus enim illum praevenit et ipsum in innocentia fulgentem de hac vita subtraxit. In oratorio autem, quod ipse et mater sua super Naham fluvium in supra- dicto praedio suo construxerant, cum maximo concursu populorum totius regionis sepultus est: aliis quidam super eum flentibus, quo- niam immaturus ⁴⁷) de praesenti vita sublatus est; aliis vero super eum gaudentibus, qui per miracula, quae Deus ibidem per eum fecit, tota regio illa velut dies per solem illuminata est. Per
von den Normannen zerstört worden. Als die geflichteten Bewohner bei ihrer Rückkehr ihre Stadt zerstört fanden, hätten sie sich auf der gegenüber- lieenden. Eafperchiſalen rechten Naheseite, wo sich früher nur ein Dorf befand und wo das heutige Bingen liegt, eine neue Heimstätte geschaffen. Nun bezeugen aber Schriftsteller. Bodenfunde und Urkunden aus der römi- schen, nachrömischen und rupertinischen Zeit, daf die Stadt Bingen eine Festung war und dort lag, wo sie heute noch liegt, auf der rechten Naheseite. Wie erklärt sich nun die Darstellung der hl. Hildegard und des Trithemius, die von einer Civitas in der Gegend des heutigen Münster berichten, wo auch P. Jüliger(Kirchenkal. 1911) das römische und rupertinische Bingen ge- funden zu haben glaubt? P. P. Nahm(Kirchenkal. 1927, S. 27) bringt dafür einen einleuchtenden Lösungsversuch: In spätrömischer Zeit befanden sich wohl in der Gegend des heutigen Münster umfangreiche römische Villen- anlagen, von denen der dort gefundene herrliche Mosaikboden noch Zeugnis ablegt. Als im Zeitalter der Völkerwanderung die Germanen kamen, machten sie sich zu Herren dieser Anlagen, und Bauernsiedlungen entstanden naheauf- und naheabwärts auf beiden Seiten des Flusses. Da der Germane noch Acker- bauer und Landbewohner war und die festen Städte mied, so sank die Be- deutung der alten römischen Stadt Bingen. In ihr wohnten nur die fremd- stämmigen oder leibeigenen Handwerker und Krämer; auf dem Lande anſferhalb der Stadt residierten die freien, reichen Herren auf ihren Gutshöten, so auch der heilige Rupertus. Da kamen die Normannen; ihnen fielen die zerstreuten und unbéfestipten Gehöfte links der Nahe rasch zum Opter; das links der Nahe gelegene Bingen der reichen Gutshöfe war zerstört; es wurde nicht mehr aufgebaut. An seiner Stelle wurde das alte, schon 900 Jahre bestehende Bingen rechts der Nahe wieder voll besiedelt. Von dieser Um- schichtung berichtet uns hier die hl. Hildegard.— ⁴⁹) cum in intentione de- votionis esset= als er das Gelübde zu erfüllen beabsichtigte. ⁴⁶) expedire förderlich, zuträglich sein. ¹) immaturus= frühzeitig.


