1 2 Binger Heimaetseschichte
2. Grabstein der Aiberga(um 500 ³)
In hoc sepulchrum(h)(r)equiescet in pace puella(no)mine Aiberga, quae vixit annis XXXII et menses V et dies X.
3. Grabstein der Mauricia(ö. Jahrh.) (Hi)c quiescit in Dn.(M)auritia honeta(fſemina, quae vixit (an)nis XXXIII, cui vir et(pa)ter titolum po(suerunt).
4. Grabstein der Bertichildis ⁵)
In hunc ti(tulum requies)cit filia inlu(strissime Bruni)childi, cuius f(uerat nomen) Bertichild(is, quae semper) vixit in pa(ce Christi de)vote m(entis an)nus XX men(ses X dies V) cum viro suo(Caro)lo annus V diaes III. Sana et sal(va erepta) est mortis potestate a(c clausa in ca)pulo ⁶). Vidui sol(acium est in) elemo- sina?),(quae liberat a pe)ccato.
II. Die fränkisch-karolingische Zeit
1. St. Berta und St. Rupertus ¹) (Aus St. Hildegards Vita S. Ruperti. Migne, Patrol. lat. tom. 197, col. 1083 ff.)
Herhunft des hl. leupertus
Pater.... matris b. Roberti de Lotharingia oribundus ²) ibidem princeps exstitit et magnam latitudinem praediorum ac
³) Gefunden 1779„auf der Fidels“ unterh. der Rochuskap., wo sich vielleicht ein frühchristlicher Friedhof befand. Der Name Aiberga weist auf die frän- kische Zeit(etwa erste Hälfte des 6. Jahrhunderts). ¹) Der Mauriciastein. heute in der Krypta der Pfarrkirche eingemauert, stammt von dem frühchrist- lichen Friedhof an der Pfarrkirche. Der Name Mauricia ist gallo-römischer Herkunft, sodaft der Stein noch der Zeit vor 500 zuzurechnen ist. ⁵) Einge- mauert in den Turm der Kempter Pfarrkirche; stammt wahrscheinlich von dem frihchristlichen Friedhof„auf der Fidels“, wohl nicht vor 600 anzusetzen; vgl. Behrens, Binger Katalog II. S. 261. Die vollständige Entzifferung ver- danke ich Dr. Nahm, Bingen. Das Latein ist vulgär und weicht stark von der herkömmlichen Grammatik ab. ³⁶) capulus= Sarg.*) elemosina= Al- mosen; die Hochschätzung der guten Werke ist also frühchristlich.
St. Berta und St. Rupertus. Abb. 5 und 6. ¹) Vgl. P. Bruder, St. Rupertus- büchlein, Dülmen 1882(vergriffen).— Nach dem Ende der Römerherrschatt in Bingen(um 415) erhalten wir, von den bereits erwähnten christlichen Grabsteinen und einigen Bodenfunden abgesehen, aus den Quellen und Ur- kunden bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts so gut wie keine Kunde von den Schicksalen Bingens. Es war eine Zeit der Umgestaltung und neuen Werdens, in der sich die Franken am Rhein und in Gallien niederlieſften und ihre Herrschaft aufrichteten. Die ersten schriftlichen Nachrichten übermittelt uns erst wieder die Vita St. Ruperti der hl. Hildegard. Dabei ist jedoch zu be- achten, daft diese Lebensbeschreibung Hildegards erst 400 Jahre nach dem Tod des hl. Rupertus entstanden ist und dafß es sich, wenn auch die Ver- fasserin sich auf göttliche Eingebung beruft, immerhin um eine Legende han- delt. Wenn auch kein Grund vorliegt, die Glaubenswürdigkeit der Rupertusvita an sich in Zweifel zu ziehen, so ist sie doch zur Lösung historischer und topographischer Fragen mit Vorsicht heranzuziehen. P. Bruder hat das in seinem leider vergriffenen Rupertusbüchlem mit solcher Umsicht getan, daf man sich wohl, besonders was die Ansetzung der Lebenszeit des hl. Rupertus und Hildegards Angaben über die Lage Bingens in rupertinischer Zeit anbe- langt, seinen Ausführungen anschlieſten darf. ²) Zur Zeit des Groftvaters des hl. Rupertus hiefß dieses Land noch nicht Lothringen; dieser Name kam erst nach dem Teilungsvertrag von Verdun(845) auf.


