Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
Einzelbild herunterladen

in lateinischem dewand 11

mſerito) impſeratore) ddomino) n(ostro) Alexandro IIl et Dione cons(ulibus)= 229 n. Chr.)

Altar des Mars und der Victoria

............ Primia Accepta et privati Secundinus et et Tertinus et Conmunis fratres ex voto Privati Tertini supra scripti vLotum) slolverunt) I(aeti) Ilibentes) mlerito) ²).

Altar der Sulevien

Sulev)s deablus) C. Hostilius Saturnin us) et Hostilia Alpina

fratres). Zwei Mithrasaltäre)

In honorem domus divinae deo invicto Mythrae aram(et temp- lum)) ex voto dei de suo impendio instituerunt Aulus Gratius Juvenis, pater sacrorum), et Aulus Gratius Potens, miles legio- nis XXII, matricarius?), fratres, dedicaverunt consule Africano (263 n. Chr.)

In honorem domus divinae. Soli invicto Mythrae aram privati Secundinus et Tertinus et confinis*) ex voto privati Tertini votum solverunt laeti libenter merito.

4. Christentum

I. Grabstein des christlichen Priesters Aetherius(um 400)

(A)etherius pres(b)iter tegitur hoc tomulo, carus omnibus mori- bus et gratia, sed ma(xime) Chréist)o fede et relegione*) probatus.

²) Behrens, Binger Katalog II. S. 97. ³) Dieser in Büdesheim aufgefundene Altar der Sulevien zeigt, daf ie Verehrung einheimischer keltischer und germ. Gottheiten von den Römern nicht unterdrückt wurde. Diese Sulevien sind Muttergottheiten, matres, in der einheimischen Sprache Sulevien genannt, die den Menschen freundlich gesinnt sind und zuweilen mit Blumen, Frichten oder Kränzen in der Hand dargestellt werden.*) Gelunden wurden diese dem 5. Jahr- hundert angehörenden Altäre im Jahre 1922 in dem Keller des B. Loeb in der Amtstraffe. Der Kult des orientalischen Lichtgottes Mithras ist durch die römi- schen Soldaten aus dem Orient an den Rhein gebracht worden; er hat mit dem Christentum manche Berünrungspunkte(eine Art Taufe und Kommunion) und stritt mit diesem eine Zeit lang um die Weltherrschaft, bis er kurz nach 300 der siegreichen Kraft der Lehre Christi unterlag.) Die Worte et temp- lum sind übermeifelt; es scheint. daf dem Bruderpaar Reue über die Größe der Stiftung gekommen ist, vielleicht ist ihm auch die Austührung unmöglich gewesen, und sie begnügten sich mit der Stiftung einer ara. ³⁶) Aulus Gra- tianus war pater sacrorum= Mithraspriester.*) Der Bruder war matricarius = Führer der Matrikelliste der 22. Legion(s. Grabinschriften S. 7). ³) Der Name des copfinis(Nachbarn) wird nicht genannt. Die Namen des Secundinus und Tertinus finden sich auch als Stifter auf dem Altar des Mars und der Vicioria.

Christentum in Bingen. A6 b. 4 ¹) Vgl. Como, die Anfänge des Christen- tums in unserer Heimat. Binger Kirchenkalender 1922, S. 19 ff. Der Grab- stein des christlichen Priesters Aetherius stammt vom fränkischen Friedhof bei dem Technikum und bedeckte ein Skelettgrab. Der griechische Name (aitherios= himmlisch) hat neben anderen Argumenten die neuere Forschung veranlaftt, den Stein etwa um das Jahr 400 anzusetzen. Der Träger dieses Namens, der wahrscheinlich aus dem Osten gekommen ist, gehört noch der röm. Zeit an. Die Inschritt liefert den sicheren Beweis, daft zu der Zeit, als die Römer das Land verlieften(400), schon eine geschlossene christliche Gemeinde mit einem vorbildlichen Seelsorger an der Spitze in Bingen bestand. ²) tomulo, fede, relegione= vulgärlateinisch.