Aufsatz 
Binger Heimatgeschichte in lateinischem Gewand / für den Schulgebrauch zusammengestelt und erläutert von Studienrat J. Kohl
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in lateinischem dewand 9

2. Bürgerliches Leben, die Landschaft

l. Grabinschriften

C(aius) Vesciusi), Cſai) lib(ertus), Primus, lanius h(ic) s(itus) e(st). C(aius) Vescius, C(ai) f ilius), Sev(Ce)rus et Peregrina, C(ai) Vesci filia, fecerunt per auctorem tutorem C(aio) Vescio, C(ai) lib(erto), Vaaro ²).

Aiia, Deccavi) filia, Cossil(lo) fil(ius), Pusinna f(ilia), Sextio filius 5 siti sunt). C(aius) Coiedius Trever coniux ob pietat(em) posit).

Julia Quintia, ann(orum) XL, Tib(erius) Jul(ius) Severus ann(orum) XXV, hic) s(iti) s(unt). Ti(berius) Julcius) Eunus con- iugi(et) filio posuit*).

2. Inschriften auf Trinkbechern Gaudias. Juvat me. Misce. Imple. Reple me. Vivas).

3. Eine Keise von Bingen nach Neumagen(4. Jahrh.) Ausonius, Mosella 1 22 ¹)

Transieram celerem nebuloso ²) flumine Navam addita miratus veteri nova moenia ³) Vinco),

Bürgeriches Leben. Ab5b 3. ¹) lanius= Metzger. ²) Wir finden hier den Vornamen Caius und den Familiennamen Vescius bei vier Männern der Familie, dem Vater, dem Sohn, der aufterdem noch den Beinamen Severus tührte, und bei den beiden Freigelassenen, die die Beinamen Primus und Varus trugen. Der eine Freigelassene, dem dieser Grabstein gewidmet ist, Caius Vescius Primus war Metzger; deshalb als Bilder am Fufie des Grab- steins: Ochsenkopf. Metzgermesser und Bratpfanne. Der andere Freigelassene Ceiu; Vescius Varus war beim Tode seines Herrn zum Vormund der Kinder Severus und Peregrina eingesetzt worden. Herr und Freigelassener standen nämlich in einem gewissen Familienverhältnis zueinander und waren zu gegenseitiger Hilte bei Tod und Bestattung verpflichtet. Die Verpflichtung wird in unserem Falle an dem Freigelassenen Primus erfüllt durch die Kinder, bezw. durch ihren Vormund Varus. Das Latein am Schluft entspricht nicht den Regeln; man müſtte nach tutorem erwarten: Caium, Vescium Varum. Ueber die kulturgeschichtl. Ausdeutung des Steines vgl. P. P. Nahm, Rhei- nische Heimat 1928, Nr. 9. ³) Also ein Treverer, der hier mit seiner Familie in Bingen ansässig gewesen sein muf; posit für posuit.) Dieser Tiberius Julius, der seiner Gattin und seinem(wahrscheinlich aus früherer Ehe stam- menden) Sohne einen Grabstein setzt, hat den griechischen Beinamen: Eunous = der Wohlgesinnte. Einfluft des Hellenismus!) Diese Inschriften auf Trink- bechern(zum Teil volkslateinisch: z B. gaudias für gaudeas) sind neben den Lehnwörtern der Beweis, daß der Weinbau durch die Römer an den Rhein gebracht worden ist.

Ausons Reise von Bingen nach Neumagen. ¹) Decimus Magnus Ausonius, um das Jahr 3090 zu Burdigala(Bordeaux) geboren, lebte in seiner Vaterstadt als Rhetor und Grammatiker. Im Jahre 364 wurde er von Kaiser Valentinian (364/75) zum Erzieher seines Sohnes, des jungen Gratian, ernannt und an den Hof nach Trier berufen; in den Jahren 568/69 war er Begleiter des Kai- sers und des Prinzen im Alemannenkrieg. Von diesem Krieg kehrte er über Bingen auf der alten Römerstrafte über den Hunsrück nach Trier zurück. Diese Reise schilderte er in seinem bekannten GedichtMosella. Erklärende Aus- gabe von C. Hosius, Marburg a. L., 1900.*) nebulosus= der Nebel auf den Flüssen ist eine altbekannte Erscheinung, besonders am Morgen. ³⁵) addita -- nova moenia: im Jahre 550 hatte Kaiser Julian in Bingen, das von den Alemannen zerstört war, eine neue Befestigung angelegt. ⁴¹) Vincum= Bingen; andere Formen des Namens: Bingium(Tacitus, hist. I. 70), Vingium, Vingum.