6 Binger Helmatgeschichte
B) Die 4. makedonische Legion(4 n. Chr.)
L(ucius) Fabius, L(uci) filius Gal(eria), Fabius Nerto(briga), mil(es) III leg(ionis) Mac(edoniae), ann(orum) XL. st(i)p(endiorum) XXI, Anicius Modestus h(eres) f(aciendum) c(uravit) ⁵).
T) Die erste Bogenschützenkohorte(43—70 n. Chr.)
Biddu(s).. astor(is)⁰) f(ilius), Tripoli!) Surus, c(o)h(ortis) J. sag(ittariorum, a(nnorum X)XXVII, st(cipendiorum) XV. Hic) s(itus) e(st). Asipa(h. p.)
Hyperanor, Hyperanoris flilius), Cretic(us) Lappas), mil(es) c(o)h(ortis) I Sagittariorum), ann(orum) LX, stip(endorium) XVIII. Hic) s(itus) e(st).
Tib(erius) Jul(ius) Abdes Pantera, Sidonia, ann(orum) LXII, stipend(Giorum) XL, miles exs coh(orte) I sagittariorum. Hic) s(itus) e(st)*).
C(aius) Julius Hastaius c(o)hor(tis) sagi(ttariorum) mi(s)- sicius, Amoena l(iberta). H(ic) s(iti) s(unt) ¹⁰⁹).
¹) Die erste Kohorte der Pannonier(seit 70)
(B)reucus, Blaedar(i) flilius), miles ex coh(orte) I Pan- no(niorum), natione Breucus, an(norum) XXXVI, stip(endiorum) XVI. H(ic) s(itus) e(st). H(eres) p(osuit) ¹¹).
⁵) Als im jJahre 43 n. Chr. Kaiser Claudius einen Heereszug nach Britannien unternahm, fand in Mainz ein Garnisonswechsel statt, von dem wahrscheinlich auch die Binger Besatzung betroffen wurde. Die vierte makedonische Legion, die nach Mainz kam, stellte für kurze Zeit auch für Bingen die Besatzung.— Auffällig ist die Beniitzung desselben Namens Fabius als gentile und cognomen. Der Vater des L. Fabius Fabius stammt aus Galeria, einer Stadt in Sizilien, westlich des Aetna. Er war vielleicht als Soldat nach Spanien gekommen, und dort wurde ihm in der Stadt Nertobriga ein Sohn geboren, der dann mit 19 Jahren in die damals in Spanien statio- nierte maked. Legion eintrat. ⁶) An die Stelle des nur für kurze Zeit hier weilenden Detachements der 4. maked. Legion trat bald nach 45 n. Chr. die 1. Bogenschützenkohorte. Die Bogenschittzen waren Söhne jener Länder, die sich im Altertum eines besonderen Ruhmes als meisterhafte Schützen erfreu- ten: Kreta, Syrien, Phönicien.— Der Biddusstein, der später als Pforten- stütze diente, ist verstümmelt. b) Tripolis(Dreistadt, weil aus drei Städten zusammengewachsen) in der Nähe von Damaskus, grofte und bedeutende Hafenstadt. ³) Lappa= Stadt auf Creta.*) Der Vater dieses Patriarchen unter den Soldaten trug den semitischen Namen Abdes, der Sohn führte dazu noch einen griechischen Namen; weil er unter Tiberius das römische Bürger- recht erhielt, durfte er des Kaisers Vor- und Familiennamen Tiberius Julius führen. Ein Zeugnis für die semitisch-hellenisch-römische Kulturmischung. Es ist möglich, dafl diese Zeit- und Stammesgenossen Christi schon von jener mächtigen religiösen Bewegung wuſtten, die von ihrer alten Heimat ihren Ausgangspunkt nahm und balcf die ganze Weit erfaftte. Nachweisbar ist aller- dings das Christentum in Bingen erst um 400. ¹⁰) missicius= ausgedienter Soldat. Nach dem Ausscheiden aus dem Heere ist Hastaius nicht in die Heimat zuriickgekehrt, sondern hat sich im Rheinland häuslich niedergelassen und eine Freigelassene Amoena(= die Reizende) zur Frau genommen. Die Vete- ranen erhielten vom Staat Grundbesitz zugeteilt und bebauten oft ein kleines Gut. ¹¹) Nach dem Abmarsch der Bogenschittzenkohorte, die nach Riese(„Das rhein. Germanien in den antiken Inschritten“) um das Jahr 70 erfolgt, trifft die 1. Cohorte der Pannonier in Bingen ein. Breucus ist gleichzeitig Perso- nenname und Name des Volksstammes. Die Breuci sind ein starker illyrischer Stamm zu beiden Seiten der Save in Pannonia inferior.


