Bingen zur Römerzeit)
1. Militärisches Leben a) Soldatengrabsteine a) Die 4. Dalmatiner-Kohorte(25— 43 n. Chr.)
Beusas. Sutti f(ilius), Delmat(a), mil(es) co(hortis) IIII Del- matar(um), ann(orum) XXVI, stip(endiorum) VII.(Heres) p(osuit). Hic) s(itus) e(st). ²)
Bato, Dasantis f(ilius), natione Ditio*), mil(es) ex coh(orte) IIII Delmatarum, ann(orum) XXXV, stipend(iorum) XV. Hic) s(itus) e(st). H(eres) p(osuit).
Annaius, Pravai f ilius) Daverzus¹), m(iles) ex coh(orte)illll Delmatarum, ann(orum) XXXVI, stipend(iorum) XV. Hic) s(itus) e(st). H(eres) p(osuit).
¹) Uber Bingen zur Römerzeit. G. Behrens, Katalog der Binger Altertümer. II. Teil, Franktfurt 1920; Behrens-Como, Rheinhessen in seiner Vergangenheit Bd. 4: Altbingen, Teil I. Mainz 1924, S. 50 ff.; iiber röm. Grabsteine P. P. Nahm, „Rheinische Heimat“(Beilage zur Mittelrheinischen Volkszeitung) 1928, Nr. 13, 1929, Nr. 5, 5, 9.— Als die Römer zur Zeit des Augastus am Rheine festen Fuft faſtten, legten sie zur Sicherung der Rheingrenze eine ganze Kette von Befestigungen an. Auch in Bingen wurde durch Drusus ein Erdkastell errich- tet; später wurde daraus ein Steinkastell mit stark bewehrten Mauern. Bingen unterstand dem groften Lager und Stützpunkt Mainz, das Standort von zwei Legionen war. Die Besatzung Bingens bestand aus 1 Cohorte(600 Mann). Von den ersten Truppen, die in Bingen Lager bezogen, wissen wir nichts. Erst als durch die zunehmende Befriedung der Rheingrenze mehr Ruhe und Sef- haftigkeit in die Truppen kommt, geben uns die Grabsteine wertvollen Auf- schluf über die Truppengattung und Nationalität der Binger Besatzung. Die römischen Soldaten in Bingen waren Auxiliartruppen; da Rom nicht mehr imstande war, mit eigenen Kräften die Reichsgrenzen zu schirmen, wurden Soldaten aus den unterworfenen Völkern herangezogen und am Rhein ver- wendet. Im ganzen kennen wir im 1. nachchristlichen Jahrhundert vier ver- schiedene Truppenkörper, die in Bingen lagen: die 4. Dalmatiner-Cohorte (etwa 25— 43 n. Chr.), eine Cohorte der 4. maked. Legion(um 43 n. Chr.), die 1. Cohorte der Bogenschützen, die sich aus Kreta und Kleinasien ihre Rekruten holte(etwa 45— 70 n. Chr.), die 1. Cohorte der Pannonier, deren Ange- hörige aus der Gegend vom Mittellauf der Donau stammten(von 70 n. Chr. ab).
¹) Militärisches Leben. 4bb. I. Nach dem einstimmigen Urteil der Archäolo- gen stammt der Beusasstein aus der Zeit um 30 n. Chr. Da Beusas nach 7 Dienstjahren im 26. Lebensjahre starb, wurde er mit 19 Jahren angewor- ben. Die verschiedenen Volksstämme Dalmatiens waren erst unter Augustus endgültig unterworfen worden. Die Erben, die die Grabsteine stifteten, waren gewöhnlich Waffenbrüder. ⁹) Die Ditionen sind eine Völkerschaft in Dalma- tien zu beiden Seiten der dinarischen Alpen. ⁴) 455. 2. Daverzi= illyrischer Volksstamm im südöstl. Teil Dalmatiens am Flusse Naron.— Dieser Annaias- stein, der in Bingerbriick getunden wurde und ein Prunkstück des Kreuz- nacher Museums ist, gibt uns auch willkommenen Aufschluft über Aussehen und Bewaffnung der römischen Auxiliarsoldaten(vgl. Abb. 2): kurzer Leib- rodk, der von einem doppelt um die Hüften geschlungenen, sich überkreu- zenden, mit ornamentierten Metallplättchen versehenen Ledergürtel zusam- mengehalten wird, ein Mantel, auf den Schultern durch eine Fibel festgehalten, Schurzfell aus Leder, mit Metallplättchen verziert; als Waffen an der rechten Seite das armlange Schwert, links ein Dolch, in der rechten Hand zwei dünn- schaftige, übermannshohe Lanzen; die Sandalen, die heute nicht mehr zu sehen sind, waren wohl aufgemalt.


