ist es, mit dem der Theologe, der Philologe und Historiker, der Jurist und der Arzt in seiner Berufsausbildung und in seiner Berutstätigkeit am meisten zusammentreffen wird.
In dieser Hinsicht bedeutet eine derartige Quellensammlung, die latei- nische Texte von der Römerzeit bis in die Gegenwart bringt, eine gute Schu- lung und Vorbildung. Sie bietet aber auch ein gut Stück Sprach- und Kultur- geschichte: neben dem nüchternen Latein der römischen Inschriften erscheint die künstlerische Darstellung eines Tacitus mit ihrer hinreiftenden Kraft und ihrem hohen Schwung und die späte Poesie eines Auson; auf die stammelnde, fehlerhafte und unbeholfene Urkundensprache des frühen Mittelalters folgt das flüssige Latein des hohen Mittelaliers(Briefe Heinrichs IV., Hildegard), am ausgehenden Mittelalter die gewandte und elegante Darstellung des Trithemius, der die lateinische Sprache mit einer gewissen Virtuosität meistert; mit dem Beginn der Neuszeit tritt das Latein mehr und mehr zurück und beschränkt sich immer mehr auf den kirchlichen Gebrauch; wie man es heute noch an der römischen Kurie beherrscht, zeigt eine Urkunde aus der jüngsten Zeit.
Ein lückenloses Bild der Binger Vergangenheit konnte natiürlich in dieser kleinen Sammlung, die nur lateinische Quellen bringt, nicht gegeben werden, und auch bei dieser Auswahl lateinischer Quellen war die Zweckmäfiigkeit, nicht das Streben nach Vollständigkeit ausschlaggebend. Wenn der Ruhm Bingens, die hl. Hildegard, nur mit einer Auswahl aus der Rupertuslegende vertreten ist, so entspricht das in keiner Weise ihrer Bedeutung; über diese groſte Frau wird demnächst in Aschendorffs lateinisch-griechischen Leseheften ein besonderes Bändchen erscheinen. Geschichtliche Hinweise und sprachliche Erklärungen muftten auf das Wesentliche beschränkt werden. Die Druckstöcke für die im Anhang beigegebenen Abbildungen wurden in entgegenkommender Weise vom Verlage des Binger Kirchenkalenders zur Verfügung gestellt.
Was den Zeitpunkt für die Durchnahme des dargebotenen Stoffes anbe- langt, so dürfte sie im engsten Anschluf an den Geschichtsunterricht erfolgen: der Abschnitt über das römische Bingen wird also am Schlusse der Unter- sekunda, der übrige Teil jeweils bei den betreffenden Abschnitten des Ge- schichtsunterrichts in der Obersekunda behandelt werden. Manche Kapitel, wie das über Götterkulte und Christentum, die Rupertuslegende, das Kapitel über Kirche und Schule können sehr wohl auch im kirchengeschichtlichen Unterricht für die Religionsstunde ausgewertet werden. Daft die Lektüre auf dieser Klassenstufe auf Verständnis und Interesse rechnen kann, hat prak- tische Ertahrung bereits bestätigt.


