Aufsatz 
Rede zu des Kaisers Geburtstag : gehalten im Kaisersaal in Frankfurt a. M. bei der am 22. März 1873 veranstalteten Schulfeier / von Th. Creizenach, Professor am Gymnasium
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erkennen, freuen wir uns, dass er ein echt deutscher Mann ist, schlicht und heroisch, gerecht und weise, wohlwollend und fest. Wilhelm I. steht uns als Kaiser näher, denn er uns als König stand. Ein und dreissig deutsche Herrscher sind hier gewählt, zehn gekrönt worden. Von diesen war der erste der verständige, unter heftigen Religionskämpfen maassvoll waltende König Maximilian. Gern erinnere ich daran, dass der geniale Meister Rethel dem Rath unseres dahingeschiedenen Collegen, des guten Hechtel, gefolgt ist, als er im Hintergrunde des Kaiserbildes, das jenen Maximilian darstellt. unseren Dom anbrachte.

Aber vor Allem im Reiche des Geistes galt es zu ringen und zu kämpfen, damit ein neues deutsches Gesammtreich erstehe. Gerade in den Unglücks- tagen von Tilsit vollzog die wissenschaftliche Forschung, die vielleicht zu weitherzig, zu weltbürgerlich geschwärmt hatte, ihre Einkehr in das hei- mische Leben. Sie besann sich wieder auf den Quell des nationalen Da- seins. Die bescheidenen Wissenskreise, in denen sich die Schule bewegt, sind gleichwohl dieselben, in welchen damals die Keime eines neuen deutschen Volksthums grossgezogen wurden. Ludwig Uhland, in der Weltstadt ver- weilend, wo der Sieger alle Schätze der Kunst und des Wissens aufgehäuft hatte, drang in das romanische Wesen ein und gewann neue Anschauungen zur Kenntniss deutscher Dichtung und Sage. Jacob Grimm legte den ersten Stein zu dem Riesenbau einer vergleichenden Naturgeschichte der deutschen Sprache; denn die Sprache war der grosse Besitz, durch welchen die nieder- gebeugte Nation noch Fühlung behielt mit ihrer frischen Urzeit. In diesem Umstande erspäht Fichte die Möglichkeit, ja die Bürgschaft für Herstellung eines freien, volksthümlichen Staatslebens. Darum ging man unserer Haupt- und Heldensprache nach bis zu den entlegensten Tiefen ihres Ursprunges, bis zum Schoosse der Mutter Asia, in welchem die Sprachen, die Mythen, die Literaturen ihre urverwandte Kindheit verlebten. Und die Männer der Alterthumswissenschaft, welche wir in erster Reihe pflegen, blieben nicht zurück. Ein Niebuhr erläuterte uns die philippischen Reden, um durch das leuchtende Beispiel des Demosthenes zum Kampfe gegen fremden Druck anzuregen. Ein Lachmann leuchtet unter den Philologen hervor, die in den Reihen der Freiheitskämpfer standen. Die Hochschule zu Berlin erstand im