Aufsatz 
Rede zu des Kaisers Geburtstag : gehalten im Kaisersaal in Frankfurt a. M. bei der am 22. März 1873 veranstalteten Schulfeier / von Th. Creizenach, Professor am Gymnasium
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Volke lebte; doch konnte die Sterbende nicht ahnen, dass der dreizehn- jährige Knabe, der in ernster Trauer neben ihrem Lager stand, nach zwei Menschenleben gefeiert werden sollte als Wilhelm der Siegreiche, Kaiser der Deutschen. Auch für manche Landestheile war der Eintritt in die neue Gesammtheit mit Leiden und Opfern verbunden. Ein edler Mann, Erasmus von Patow, hat es am 8. October des ereignissvollen Jahres 1866 in diesem Saal ausgesprochen:Der Verlust, den Frankfurt durch das Auf- geben seiner Selbstständigkeit erleidet, entzieht sich jeder Schätzung. Und wenn wir an die glorreichen Tage von Versailles denken, so drängen wir ernste Thränen kaum zurück. Auf unserem Peterskirchhof hat man kürz- lich ein Denkmal erneut, welches auf den Ausgang des Jahres 1792 hin- weist, wo eine preussische Heeresabtheilung unsere Stadt von französischen Eindringlingen befreite. Damals hat König Friedrich Wilhelm die hülf- bereite, vaterländische Gesinnung unserer guten Stadt nicht minder warm und freudig anerkannt, als dies später durch Blücher auf der Heimkehr von Waterloo geschehen ist. In der Nähe dieses Denkmals wird bald ein anderes ragen, zu Ehren von nicht weniger als vierzig Söhnen unserer Stadt, mit deren edlem jungen Blute sich Frankfurt aufs Neue ins Reich einge- kauft hat. Ja mancher brave Schüler, der sich noch vor fünf Jahren fröh- lich auf diesen Bänken eingefunden, um der Schulfeier beizuwohnen, schlummert heute unter dem neubegrünten Rasen bei Wörth oder hinter Orleans oder hat aus den Lazarethen den Todeskeim in das Elternhaus ge- bracht. Doch genug davon; sie fielen edel und jugendlich für eine heilige Sache. Die Neugestaltung des Reiches fand Statt unter Abwehr jeder frem- den Einmischung, altwerthe Grenzmarken sind gewonnen und ein deutscher Kaiser legt das Gewicht unserer Volkskraft in die Schale der Weltgeschicke.

Die gleissende Ruhmredigkeit, mit welcher unfrei gewöhnte Seelen ihre Ergebenheit zu bekunden meinen, ist in Frankfurt nicht heimisch und wird es auch kaum werden. Erinnern wir uns, in wie einfachen Worten die goldene Bulle uns die Eigenschaften bezeichnet, die von dem zu wählenden Kaiser verlangt werden. Er soll sein vir bonus, justus et utilis, was eine Chronik reimweise also wiedergiebt:Wer nicht ist gut, gerecht und frumm, darf nicht zu Frankfurt in den Thum. Da wir einen Monarchen über uns