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lebensfrohen Gebräuche weisen uns in die Zeit der Sachsenkönige, unserer herrlichen Liudolfinge zurück. Es gehört zu den wesentlichsten Verdiensten der neueren deutschen Geschichtsschreibung, dass sie uns die ganze Bedeu- tung dieser thatenreichen Zeit erschlossen hat. Unter den Heinrichen und Ottonen trat zum ersten Mal statt der veralteten römischen Formen ein frisches vaterländisches Element in die Staatengeschichte ein, volksthümlich und bildungsreich. Ein Gefühl der Zusammengehôrigkeit weht uns an; es ist als komme uns ein frischer Wald- und Stromeshauch entgegen statt der dumpfen, lebensmüden Kanzlei- und Kammerluft beim Ausgang der Karo- lingerzeit. Bei der Krönung Otto's des Grossen in Aachen wurden zum ersten Mal die Erzämter ausgeübt. Das Kaiserthum Wilhelms des Ersten aber erinnert zumeist an den Hergang bei der Erhebung Heinrichs, des schlichten, klaren, thatkräftigen Sachsen. Er wies den Metropoliten Heriger von Mainz zurück, als dieser ihm mit dem heiligen Salböl nahte; aber nach dem grossartigen Sieg bei Riade umgab ihn huldigend sein Heer und be- grüsste ihn als Vater des Vaterlandes, grossmächtigen Herrscher und Im- perator; sein Ruf breitete sich weithin aus über Völker und Könige. Mag auch der Sachse Widukind, der uns dies erzählt, seinen Bericht gewissen antiken Vorbildern angeäâhnlicht haben: uns liegt dabei die Erinnerung nahe, wie die deutschen Fürsten nach weit grösseren Siegesthaten, als die von Riade war, unter dem Vortritte des Mächtigsten unter ihnen den preussi- schen Herrscher auf die höchste Stufe fürstlichen Waltens erhoben.
Ob jemals wieder deutsche Fürsten dem Kaiser zur Seite stehen wer- den, wie jene Würdenträger, haben wir hier nicht zu erwägen. Das neue Kaiserthum ist vor allem ein Reich des Kampfes und des Geistes. Des Kampfes; denn im Leiden und Ringen hat es sich herangebildet. Das hat der Gefeierte dieses Tages in seiner eignen schwergeprüften Jugendzeit er- fahren. Es ist bekannt, wie jene edle, schöne Königin in ihren trübsten Tagen den Spruch des grossen Dichters an sich erprobt fand:„Wer nie sein Brod mit Thränen ass, der kennt Euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“ Wohl sah sie einen besseren Morgen herandämmern, als sie die Augen im Tode schloss; wohl hatten Schill und Hofer, Dörnberg und der Braun- schweigische Fürst Zeugniss abgelegt von dem Sinne, der in dem deutschen


