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wegzunehmen. Geysso selbst war am 3. XI. nach Kirchhain Weiter gezogen und schickte Goddaeus nach Marburg, um Ord- nung zu schaffen. Dieser zeigte sich manchen Bitten der Stadt zugänglich, nachdem er ein vom Goldschmied verfertigtes Ge- schenk im Wert von 40 Rthlr. erhalten hatte. Alsbald ging auch eine„Lamentation und klageschrifft über die Belagerung und aussgestandene angstt“ ¹) an den Landgrafen ab zugleich mit einer Rechtfertigung wegen der Bitte um Waffenstillstand.
Sofort versucht Georg II. mit allen möglichen Mitteln, Am. El. zur Aufgabe ihrer Eroberung zu bewegen. Er protestiert am 14. XI. durch Brief und Gesandtschaft feierlich gegen diese Ge- walttat, legt beiKaiser und Reich Beschwerde ein; in seinem Auftrage suchen die Herzöge Ludwig von Braunschweig-Lüneburg und Wilh. und Ernst von Sachsen-Weimar, letztere gestützt auf die hessisch- sichsische Erbverbrüderung, zu vermitteln, und sogar die Ge- sandten der evangelischen Fürsten in Osnabrück suchen durch ein gemeinsames Schreiben vom 15. XII. auf Am. El. einzu- wirken. ²) Allen diesen Versuchen gegenüber bleibt sie aber fest und lässt zur öffentlichen Begründung ihrer Ansprüche eine Schrift drucken, ²) die mit den Worten schliesst:„Recht muss doch Recht bleiben.“ Georg bleibt auch bei den Protesten nicht stehen, sondern sucht, weil selbst zu schwach, fremde Hilfe zum Entsatz des Schlosses aufzubringen. Am 15. XII. schreibt er aus Darmstadt an den Generalfeldmarschall Grafen Geleen nach Windsheim.¹) Er antwortet darin auf eine Anfrage Geleens nach dem Schicksal des Schlosses in Marburg, dass es noch immer belagert werde und von aller Zufuhr abgeschnitten sei. Zwar hoffe er, dass es sich halten würde, wisse aber nicht, wie man ihm noch weiter zusetzen werde. Georg erwähnt auch einen Briefwechsel mit dem Kurfürsten von Bayern, er werde nicht unterlassen,„mit nechster post daruff zu berichten und weill ohnschwer zu ermessen, wenn diesem beginnen nicht
1) Abschrift im„Ratsprotokoll 1645.“
2)„Marb. Erbschaftsstreit 1645.“
3) Handschriftlich, mit dem Vermerk:„gedruckt“ in„Marb. Erb- schaftsstreit 1645.“
4)„Allg. Reichsarchiv“ in München.„Acta des 30 j. Kriegs 1646“ T. DCXXIII S. 19.


