Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

130

mann Goethes. Nach Beendigung seiner Studien auf der Universität Göttingen war Bilchenbach auf einer Reise 1772 nach Wien gekommen. Er vertrat häufig den holländischen Gesandtschaftsprediger Joh. Mieg'), wenn dieser sich auf Reisen befand; nach dessen Ab- gang von Wien 1776 erhielt er selber durch den Grafen Degenberg diesen Posten. Ihm werden besonders auch in den schönen Künsten Kenntnisse nachgerühmt; seine Schrift Rurze vorläufige Nachricht von der K. K. Bildergallerie zu Wien und ihrem Zustande im Jänner 1781 giebt von diesen Interessen Zeugnis. In dieser Zeit lebten die Pro- testanten. Lutheraner wie Reformierte, in Wien wie in ganz Osterreich noch unter hartem Druck. Die öffentliche Ausübung des Gottesdienstes, das ganze Excercitium religionis war ihnen noch verboten; jener Professor Schröckh zu Wittenberg, der 1733 in Wien geboren war, wurde noch nach katholischem Ritus im Stephansdome getauft. Die Lutheraner, 2500 Seelen, hatten ihren Gottesdienst bei den dänischen und schwedischen Gesandten*), die Reformierten, 500 Seelen, beim holländischen Gesandten. 3000 also betrug im ganzen die evangelische Bevölkerung, während 200 Jahre früher fast ganz Wien lutherisch war. Erst Joseph II. verstattete durch das Toleranzedikt vom Jahre 1781 den öffentlichen Gottesdienst, doch noch ohne den Gebrauch der Glocken; wo 100 Familien peisammen wären, sollten sie auf ihre Kosten ein Bethaus bauen dürfen. Die lutherische und die reformierte Gemeinde kauften i. J. 1783 Teile des aufgehobenen Klosters der Klarissen, um darin Bethäuser für sich einrichten zu lassen. Hilchenbach unternahm nun eine Reise durch Deutschland, Holland und England, um Beiträge für den Bau des Bethauses zu sammeln, dessen Einweihung im Dezember 1784 stattfand. Seinen Bemühungen gelang es auch, 1794 eine eigene Lehranstalt für die evangelische Gemeinde zu begründen. Kaiser Joseph ernannte ihn 1786 zum ersten Geistlichen des in Wien neu errichteten Ronsistoriums für reformierte Gemeinden und zum Superintendenten derer zu Wien und Triest. Im J. 1804, als die Wohlthätigkeits-Hofkommission errichtet wurde, ward Hilchen-

¹) Johann Friedrich Mieg(1744 zu Lingen geboren, 1770 76 in Wien, später kurpfalzbayerischer Kirchenrat und Prediger zu Mannheim) hatte sich drei Tage zuvor in das Stammbuch eingetragen:

Four wit ma mahte clear hings doublſud, hut it's our prudence 1o malte doubtful things clear; remember he that is quich in seancheng, seldom seurches to he quich. remember ou, i/ ou please, m⸗ dear Sir, and Friend, of our Wienna d. 12. nov. 175 most humble servant

mr. John Mieg.

2) Der schwedische Gesandtschaftsprediger hat sich als Letzter zu Wien am Montag, den 4. De- zember, eingezeichnet. Quods? vita est optanda sapienti, nullam alium o5 causum vivere optaverim, quam ut aliquid aMciam,

quod vitu dignum sit, et quod utilitatem

hominibus aßerat. Lactantius. Findobonae, IV. Dec. C. G. Suhe MDCCLXN degiue Legat. Sueciae

a sucris.