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Lehrern nach ihrem eigenen Geständnis gefehlt hatte. In Folge der Reorganisation, die nach der Aufhebung des Jesuitenordens mit der Universität vorgenommen wurde, ward er in diesem Jahre 1775 Präses und Direktor der philosophischen Fakultät. Aber er hatte mächtige und einfluſsreiche Widersacher unter den Jesuiten, und als er 1779 ein Gebetbuch herausgab, das sich von dem durch die Jesuiten in die Andachtsbücher ein- geschwärzten Zelotismus frei hielt, gedachten sie aus diesem Buche ein Mittel zu seinem Verderben zu machen und erhoben eine förmliche Klage gegen ihn. Aber die Kaiserin Maria Theresia, die das Buch selbst gelesen und sich in hohem Grade daran erbaut hatte, wies die Klage ab und übersandte vielmehr Seibt einen kostbaren Diamantring mit den eigenhändigen Zeilen„Meinem lieben Seibt zum Andenken, Maria Theresia“. Er wurde später noch in andere Stellungen befördert, in denen er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand(i. J. 180 1) sich noch gröſsere Verdienste um das Unterrichtswesen in Böhmen erwarb, derentwegen er schon 1791 in den Ritterstand erhoben wurde. Er starb 1806 zu Prag. Als Letzter schrieb sich in Prag der Prior des Prämonstratenserklosters ein:
Ta vraie vertu est trouwable dans la prudence et science. pour le Souvenin Le 1. Septembre P. Candide Sethler Doen de la Sainte Meologie dans J Universite de Prague, CManoin Regulier Pyromontré au Mont Sion.
Das reiche Prämonstratenserkloster Strahow, auf dem höchsten Punkte des Hradschin gelegen, daher Mons Sion, wurde 1140 gegründet und gilt für das erste Kloster dieses Ordens in österreich. Das groſsartige Klostergebäude enthält eine Bibliothek von 60 000 Bänden, eine Gemäldegalerie und eine Wappensammlung von 10 000 Wappen. Es ist besonders angesehen, da es den Leib des heiligen Norbert, des Stifters dieses Ordens, birgt. Norbert war 1134 als Erzbischof von Magdeburg gestorben und dort auch in der Marienstiftskirche begraben worden. Aber nachdem Magdeburg protestantisch geworden war, wurden seine Uberreste 1627 während des dreiſsigjährigen Krieges in die Kirche des Klosters Strahow übertragen. Auch das Grabmal des kaiserlichen Generals Pappen- heim befindet sich hier. Nachdem er am 16. Nov. 1632 in der Schlacht bei Lützen tödlich verwundet worden war, starb er am Tage darauf in Leipzig; von hier wurde sein Leichnam nach Prag übergeführt.
Wien, Donnerstag, 28. September— Montag, 4. Dezember 1775. Prelsburg, Mittwoch, 18. Oktober 1775.
Wien, mit 200 000 Einwohnern damals die gröſste Stadt Peutschlands und seit dem Kaiser Rudolf II. die beständige Residenz der deutschen Kaiser, besaſs nächst Prag die älteste Universität. Da sie 1356 vom Erzherzog Rudolf IV. begründet worden war, plickte sie zu dieser Zeit, von der wir handeln, auf mehr als vier Jahrhunderte ihres


