Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Theresia verlieh ihm ein Gnadengehalt von 300 Gulden und den Titel k. k. Historiograph. Er hatte 1769 auch einen wissenschaftlichen Verein gegründet, aus dem 1784 diekönig- liche böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, eine der ältesten in Hsterreich, ent- standen ist, mit dem Zwecke, Forschungen im Gebiete sämtlicher Wissenschaften mit Aus- nahme der Theologie und der positiven Rechtsgelehrtheit anzustellen und deren allseitige Förderung zu bethätigen. Diese Akademie hat in unserer Zeit einen tschechisch-nationalen Charakter angenommen; daher wurde im Gegensatz zu ihr 1891 in Prag von Privatleuten dieGesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Litteratur gegründet.

Einem zweiten gelehrten Piaristen begegnen wir in Adauctus Voigt, Cericus regularis Scholarum piarum, der sich an demselben Tage mit einer Sentenz aus Terenz Phormio 241 242 einschrieb:

Omnes quum secundae res sunt mauume, tum maume meditan Secum oportet, quo pacto adversam aerumnam Ferant. Tenent.

Im Jahre 1733 in Böhmen geboren, trat er schon 1747 in den Orden der Piaristen, obwohl er nach dem Willen seines Vaters eines Tuchmachers von den Jesuiten erzogen worden war. Er ward im Jahre 1771 Rektor in dem Kolleg seines Orden zu Prag; in demselben Jahre erschienen seine ersten Schriften zur Münzkunde, die über- haupt zu den ersten kritischen Arbeiten auf diesem Gebiete gehörten, und die er bis zu seinem Tode fortgesetzt hat. Im J. 1776 wurde er von der Kaiserin Maria Theresia, die ihn wegen seiner verdienstvollen Wirksamkeit eigenhändig mit einer goldenen Denk- münze schmückte, als Professor der Geschichte an die Wiener Universität berufen und zum Kustos an der akademischen Bibliothek und an der kaiserlichen Münzsammlung er- nannt. Er starb 1787 zu Nikolsburg, nachdem er sich infolge seiner stark angegriffenen Gesundheit in das dortige Kollegium seines Ordens zurückgezogen hatte.

Als nächster folgt der Professor(Ritter v.) Seibt mit einer in Stammbüchern jener Zeit beliebten und in diesem selben Stammbuch später wiederholten Sentenz:

My Eijre za yw6hsva yivsoha, cc 6leig· alAc 0l6 yipsoha zd yippev, dg yipsruu xc sypojosic. Hisce memoriam su commendat Pragae 265. Aug. Carolus Henr. Seibt, 1775. litterarum elegantiorum et Philosophiae de moribus Proſessor publ. et ordin.

Heinrich Seibt, geboren 1735 zu Kloster Marienthal in der Oberlausitz, das damals noch zu Schlesien und somit zur österreichischen Monarchie gehörte, hatte auſser zu Prag auch zu Leipzig studiert, wo er mit Gellert bekannt wurde. Im Jahre 1763 erhielt er auf seine Bitte von der Kaiserin Maria Theresia die besondere Erlaubnis, als auſser- ordentlicher Professor an der Prager Universität in den schönen Wissenschaften Vorträge zu halten. Durch diese Vorträge hat er, zumal da er gegen das Herkommen in deutscher Sprache las, eine neue Epoche in Böhmens Kulturgeschichte begonnen und in der Jugend einen wissenschaftlichen Eifer zu entflammen gewuſst, an dem es unter den jesuitischen

266

267