Teil eines Werkes 
1. Teil (1902)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

50

jetzt noch wie bei Goethes Besuch 8 Jahre vor dieser Zeit(Wahrheit und Dichtung VIII. Buch) und noch Jahrzehnte nachher, vielfach ein Bild der Verwüstung und Zerstörung. Zwar hatte die Regierung sofort nach Friedensschluſs begonnen, die Schäden des Krieges zu beseitigen und für einen schönern Aufbau der Stadt einen neuen Plan zu entwerfen, wie auch den Ruhm Dresdens als einer glänzenden Kunststätte durch die Gründung der Akademie der Künste 1764 zu erhöhen. Doch neue Leiden brachte in den Jahren 1771 und 1772 eine Hungersnot, die in dem Lande 150 000 Menschen hinwegraffte, und Dresden zählte 1774 auch noch nicht mehr als 45 576 Einwohner.

Der erste Besuch in Dresden galt dem Superintendenten und Pastor primarius an der Kreuzkirche J. J. G. am Ende(1704 1777). Dieser Mann war als Sohn eines Predigers zu Gräfenhainichen geboren, der Heimat Paul Gerhardts, dem er in Bezug auf Charakter und Schicksale merkwürdig ähnlich ist. Wegen seines Ruhmes als Kanzelredner war er im Jahre 1750 an die Kreuzkirche zu Dresden berufen worden und bewährte sich in den schweren Drangsalen des siebenjährigen Krieges als ein Patriot und treuer Hirte seiner Gemeinde. Er verstand es, durch taktvolles Auftreten seinem angestammten Fürsten während dessen Verbannung die Treue, dem Eroberer gegenüber bei schuldiger Achtung und dienstpfichtigem Gehorsam seine eigene Ehre und Würde zu pewahren. Berühmt war die Predigt, die er mit Zugrundelegung des ordentlichen Fvangeliums am 23. Sonntage nach Trinitatis im November 1756 in Gegenwart Friedrichs des Grolsen, seiner Brüder und eines zahlreichen Gefolges in der Kreuzkirche über den preuſsischen Wahlspruch Suum cuique hielt, die er auf ausdrückliches Verlangen des Königs dem DPruck übergab und die in verschiedene fremde Sprachen übersetzt wurde, was auch mit mehreren anderen seiner Predigten geschehen ist. Als im Jahre 1758 der König einen Befehlerliels, dals der Sieg bei Zorndorf über die Russen in ganz Sachsen durch ein allgemeines kirchliches Dankfest unter Trompetenklang und Pauken- Schall und unter Anstimmung des ambrosianischen Lobgesanges gefeiert werden sollte, er- hob der Superintendent am Ende dagegen mündlich und schriftlich die entschiedensten Vorstellungen und fügte sich erst, als ihm noch am Tage vor dem abzuhaltenden Pankfeste ein letzter ernstlicher Bescheid zuging. EFrst jetzt erliels er ein Missive an die Prediger der Stadt, erbat darin zugleich für sich und seine Amtsbrüder von Gottden Geist der Weisheit und des Verstandes, damit sie dabei denken und reden möchten, was vor ihm gefällig sei Noch andere Predigten, die er bei verschiedenen Veranlassungen gehalten hat, z. B. bei dem Bombardement Dresdens durch Friedrich den Grolsen im Juli 1760, durch das auch seine Kreuzkirche eingeäschert wurde, und bei der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Kirche, sind zu grolser Berühmtheit gelangt. Seine Finschrift in das Stammbuch lautet:

Ropobvoc, Miuioc, zvosß̃cg! Memoriae caussa et cum apprecatione divinae gratiae, et benedictionis

sc. YD. Jo. Joach. Gottlob am Ende. Mresdae d. 50. Jul. 1775.