kommen, das er als Mitglied des groſsen Fürstenkollegiums und als Universitäts- Bibliothekar(das Gehalt eines solchen betrug 30 Thaler jährlich) bezog, ging seine schrift- stellerische Wirksamkeit immer mehr auf Gelderwerb aus.
Auf der Rückseite des Blattes begegnen wir in dem Anthropologen Ernst Platner 166 (744— 1818) einem aufgehenden Gestirne; seine Finschrift steht der seines Schwagers Chr. F. Weiſse gegenüber und lautet:
Haller: Wer von der Tugend weicht der weicht von ſeinem Glücke. Leipzig den 21 ſten Juny 1775 E. Platner
Nach dem frühen Tode seines Vaters hatte Ernst Platner an J. A. Ernesti einen fürsorglichen Pflegevater gefunden, der ihm an die Thomasschule nahm und, solange er Rektor derselben war(bis 1759), selbst unterrichtete. Nach Beendigung seiner philo- sophischen und medizinischen Studien an der Leipziger Universität machte Platner eine längere Reise nach Straſsburg, Paris und Holland. Seit 1770 auſserordentlicher Professor in der medizinischen Fakultät— 1780 ward er ordentlicher Professor— hielt er aulser medizinischen auch philosophische Vorlesungen, in denen er seine Zuhörer aufs äuſserste zu fesseln verstand. In dieser Zeit(1775) war er mit der Abfassung seines Hauptwerkes:„Philosophische Aphorismen“ beschäftigt, die im folgenden Jahre zu er- scheinen begannen und in deren späteren Bearbeitungen er an Kants Schriften eine scharfsinnige Kritik übte. Jenes Citat aus Haller ist dessen Gedichte„Uber den Ursprung des Ubels“, III. Buch, entnommen und zwar in der Fassung der zweiten bis neunten Auflage, wo es heiſst:
Der Mensch, der Gott verläſst, erniedrigt sein Geschicke, Wer von der Tugend weicht, der weicht von seinem Glücke.
Von der zehnten Auflage an(1772) hat Haller den Text der ersten Ausgabe von 1732 wiederhergestellt:
Wer von der Tugend weicht, entsaget seinem Glücke: Und beugt sein Engels-Recht zu eines Thiers Geschicke.
Zwei Tage später, am Freitag, den 23. Juni, schrieb sich hinter Weiſse der Philosoph und Dichter Christian August Clodius(1738— 84), zu dem Goethe, wie er 168 selbst uns im VII. Buch von Wahrheit und Dichtung erzählt, in ein eigenartiges Ver- hältnis kam, mit der Sentenz ein:
Muth, Warheit, Tugend und Verſtand Dieß adelt— Reichthum nicht, nicht Rang und Vaterland.
Wie Weilse zu Annaberg geboren, war er 1760 zu Leipzig schon mit 21 Jahren Professor der Philosophie geworden, zunächst auſserordentlicher, dann 1764 ordentlicher; i. J. 1782 wurde er Bel's Nachfolger in der„Professur der Dichtkunst“. Mit einem empfänglichen Sinn für die Schönheiten in den Dichtungen des Altertums verband er die Gabe, sie in unserer Sprache nachzubilden und seinen Hörern zum Verständnis zu bringen. Nach Goethes eigenem Zeugnis ist er nicht ohne einen heilsamen Einfluls auch auf dessen Dichtweise geblieben, insofern er ihn alles mythologische Beiwerk, mit dem noch vielfach die zeitgenössischen Dichter ihre Dichtungen aufzustutzen pflegten,


